Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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-»5 21 bekannt war/ Meilenweite Reisen unternahm man, um mit Zuverlässigkeit einen Lehrsatz aus dem Munde seines Autors selbst zu hören/ War doch nicht nur der Lehrsatz an sich, sondern auch der Name seines Autors oder seiner ersten Autorität, sowie der Name des letzten Ueberlieferers/ und meist mit den begleitenden Nebenumständen/ unter welchen er gelehrt worden, in das Gebiet der zu lernenden und weiter zu lehrenden Ueberlieferung mit aufzunehmen. Ueberhaupt als Autor, als erste Autorität oder als letzter Vermittler eines Lehrsatzes genannt und dem Bewußtsein der wissenschaftbeflissenen Nachwelt erhalten zu bleiben, war der einzige Ehrgeiz und unsterbliche Nachruhm, auf welchen ernster Werth gelegt wurde. Während der Gutthat durch Anonymität der höchste Werth zuerkannt wurde/ war man im Gebiete wissenschaftlicher Thätigkeit nicht gleichgiltig gegen Verewigung seines Namens, und Jedem war es heilige Pflicht, sich nicht mit fremden Federn zu schmücken, sondern jeden Lehrsatz mit dem Namen seines Urhebers oder Vermittlers wiederzugeben/ „Die Lippen der Verstorbenen bewegen sich noch im Grabe", lautete eine diese wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit lehrende Mahnung, wenn man einen von ihnen stammenden oder durch sie vermittelten Lehrsatz noch in ihrem Namen der Nachwelt lehrt/ „Deinem Stolz und deinem Ungehorsam hast du es zu verdanken, daß diese gehörte Lehre nicht mit deinem Namen weiter gelehrt wird", zürnte ein Vater seinem Sohne, den er zur Begrüßung eines fremden Gelehrten mit einem Korb Früchte gesandt hatte, um bei dieser Gelegenheit zu vernehmen, wie dieser eine liturgische Formel, hinsichtlich deren Fassung man zweifelhaft war, sprechen würde, und der statt seiner einen Andern mit dem Korbe gesandt hatte, so daß nun dieser für die Ansicht der fremden Autorität als Gewährsmann ferner zu nennen war/ Wie auf Aussprechen des Gedachten oder des sich Einzuprägenden überhaupt, so legte man auch einen ganz besouderu Werth auf reinen, correkten und concifen Sprachausdruck, uud auf eine das Gedächtmß unterstützende Zusammenordnung des formal oder real Zusanunengehörigen/ Im vernehmlichen und klaren Aussprechen des Gedachten oder zu Denkenden erkannte man die deutlichere uud ausdrucksvollere Bergegenwärtigung des Gedankens und iu der Mittheilnug des Gedaukeus deu Wetzstein des Denkens und den Prüfstein des Gedachten. Wie sehr man ein Freund des Schweigens" und Feind jedes überflüssigen und unnützen Geschwätzes war und darin eine Entweihung des dem l Das. Neckanen sckemuatko. Berachoth 33, d. — 2 B<..<l 27. a. Mied katan 22. s. Nidda 48, ». — » Nasir 56. d. Chulin 18, d. — Kerithoth 15, a. Chuliu 48. a. d. Gittin 39, d. Jebamoth 98. A. 110 b. 116, d. Kidnschin 70. d. u. s. — ° Baba Vathra 10, d. — « Aboth 6.!>. Berachoth 31. d. Jebamoth 96. d. — ' Schekalim 2,?. — » Pcßachim 104. b. — » Schelatim 5, 1. — " Peßachim d9, a. Aboth 1, 17. 6» 6.