Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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-M' 20 Hsnoch Unzulängliche seines Wissens, und es drückt ihn die Sorge ungelöster und noch zu lösender Fragen. Niemand ist aber selbstzufriedener, und sitzt gleichsam „immer bei sich an vergnügter Tafel" zu Gast, als der in der Thalniedere der Wissenschaft Gebliebene, der mit den gegebenen Lehrsätzen schon das letzte Resultat der Wissenschaft zn haben vermeint." Allen Verfall der Wissenschaft datirten sie von der Zeit, seitdem die Jünger der Wissenschaft nicht mit ausreichender Hingebung der vollendenden Belehrung in Lehre und Praxis der Lehrer gewartet. Sie empfahlen, das grundlegende Materiale der Wissenschaft in präcis gefaßten Lehrsätzen von Einem Lehrer zu lernen, damit nicht die verschiedene, jedem Lehrer eigentümliche Ausdrucksweise den Einklang des Grundwissens störe. Der höhere Geist der Wissenschaft sollte jedoch von mehreren Lehrern geschöpft werden, damit man jeden Gegenstand in möglichster Vollständigkeit von verschiedenem Standpunkte betrachten lernet Präparation/ insbesondere aber stete Repetition^ des ganzen in sich Aufgenommenen, war ihnen eine wesentliche Aufgabe, und mußte es ihnen um so mehr sein, je mehr ein Jeder lediglich auf sein Gedächtniß angewiesen war und er sich aus keinem schriftlichen Hilfsmittel Raths erholen konnte. Wer seinen Abschnitt Hunderteinmal wiederholt, kennt ihn besser, als der ihn nur hundertmal repetirt, war ihr Grundsatz/ Bor Allem warnten sie, nicht zu viel auf einmal zu treiben und in sich aufzunehmen, nicht sein Wissen „Bündelweise" schaffen zu wollen, wie sie sich ausdrückten, nur wer auch wissenschaftlich Pfennig zu Pfennig sammelt, meinten sie, wird reich. Wer üumer zu Neuem eilt, bevor er das Alte gehörig verstanden und befestigt hat, den nannten sie den sich „täuschenden Jäger", der immer neue Vögel fängt, ohne zuvor den Besitz der alten durch Einknicken der Flügel zu sichern. Er kehrt mit leerer Waidtasche nach Haus.' — In dreien Dingen, lehrt der bereits erwähnte Studienkatechismus, hat zuerst ein Jünger der Wissenschaft sich zu üben: in der Kunst zu hören, in der Kunst zu sprechen und in der Kunst zu denken. ° Die Kunst zu „hören", rasch, richtig, scharf zu hören, war ihnen Vorbedingung alles Studiums, und in der That, wo zumal alles Grundwissen nur vermittelst lebendiger Lehre zu gewinnen war, mußte die Uebung im raschen und richtigen Auffassen unerläßlich ein. Faßte man doch gewöhnlich das ganze Gebiet der eigentlichen Hauptwissenschaft unter die Bezeichnung „Schematha", das „Gehörte", und wie wir einer correkten Ausgabe eines Autors den Vorzug geben, so war Der der geachtetste und gesuchteste Jünger der Wissenschaft, der als präciser, zuverlässiger Inhaber der gehörten Lehrsätze » Baba Bachra 145, d. — » Sota 47, a. Sanhedrin 88, b. — » Aboda Sara 19. a. — Horioth 12, k. ° Peßachim 68, d. Jebamoth 64, d. — ° Chagiga 9, b. Thaanith 8. a. - Aboda Sava 19, ». - » Aboth 6, 6.