Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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18 -H^-- deiselben und alle deren Anwendimg bedingenden Beschränkungen und Folgerungen blieben wiederum nur der mündlichen Belehrung und Ueberlieferung vorbehalten. Auf mündlichen Unterricht, sowohl zur Aneignung des Gegebenen in der Wissenschaft, als zum Eindringen in das Verständniß und den Geist derselben, war jeder Jünger der Wissenschaft verwiesen. „Thalmud", mündliche Belehrung, nennt daher das Kapitel „von der Erwerbung der Wissenschaft", wie der sechste Abschnitt der Aboth - Sammlung genannt wird, als die erste unter allen Anforderungen, deren dieser Studien-Katechismus achtundvierzig für alle Wissenschaftbeflissenen aufzählt/ Auf „Thalmud", auf das lebendige, Wort der mündlichen Tradirung und Lehre war Jeder verwiesen, und es gab Jahrhunderte lang für Tausende die Wissenschaft Suchende keinen andern Weg, als sich die Männer aufzusuchen, die in ihrer Zeit die -Lehrsätze der Vordern mit klarer, irreloser Präcision in sich aufgenommen hatten, und es verstanden, dieselben mit klarer, irreloser Präcision wiederzugeben und mit dem sondernden und befruchtenden Lichtstrahl ihres Geistes zu beleuchten. „Sinai" und „Berge aus dem Grund Heber" nannte man einerseits den umfassenden und zuverlässigen Inhaber des Gegebenen in der Wissenschaft und andererseits den mit dem sondernden und combinirenden Geist Hochbegabten/ Und dem ersten wurde sinnig und willig der Vorrang eingeräumt. „Alle bedürfen des Besitzers der Brodfrucht"/ war die Losung, mit welcher man Alle zuerst zu den Füßen Dessen hinrief, aus dessen Lehre man sich das „Brod" der Wissenschaft, die Nahrung des Geistes mit den gegebenen wissenschaftlichen Lehrsätzen holen konnte. So hoch man „Binah", die sondernde nnd combinirend schaffende Geistesthätigkeit der Reflexion und Folgerung stellte und sich sagtet ohne „Binah" kein „Daath", daß erst durch „Higajon"/ durch diese kritische und produktive Geistesoperation, das „Daath", das in sich aufgenommene Thatsächliche der Wissenschaft, wahres, werthvolles Eigenthum wird, wie man dies in den bezeichnenden Spruch niederlegte: den „Rahm" der Wissenschaft gewinnt nur der, der es über sich gewinnt, ihretwegen mit der „Mutterbrust eingesogene Milch" auszuscheiden: 6 so tief war man von der Ueberzeugung durchdrungen, daß aber ohne „Daath keine Binah", daß der Reflexion die Erkenntniß des faktisch Gegebenen, die Aufnahme des Thatsächlicheu der Welt und Wissenschaft in möglichster Vollständigkeit vorangehen müsse. Eine Reflexion, die nicht diese Basis des vollständigen Materialen zur Voraussetzung hat, eine Spekulation mit geschlossenem Aug' und Ohr, hielten sie für verfrüht und von Unheil bringender Unreife. „Haltet eure Söhne zurück von verfrühter ' Aboth e. 6. — ' Berachoth 64. a. — « Das. — Aboth 3, 21. — « Berachoth 63. d. — « Das.