Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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13 verbrachte fern von ihr zweimal zwölf Jahre in den Lehrhäusern Rabbi Elieser's und Rabbi Josua's, und ward die Säule der Wissenschaft seiner und aller Zeiten. Als er von Tausenden von Schülern umgeben heimkehrte, ging ihm seine Frau entgegen. Man wollte sie in ihrer ärmlichen Erscheinung zurückweisen. Er aber sagte: lasset sie, was ich bin, und was ihr durch mich geworden seid, ist Alles Ihr! Der Schwiegervater aber löfle die Berstoßung, und fortan ward Rabbi Akiba begütert. —^ Rabbi Jehuda Bar Ilai, die maßgebendste Autorität der folgenden Zeit, und „der erste Wortführer überall", war so arm, daß er, zu einer Versammlung beim Naßi eingeladen, nicht kommen konnte , weil — er keinen Rock anzuziehen hatte. In seiner Zeit war überhcutpt der größere Theil der Wissenschaftbeflissenen so arm, daß je sechs derselben sich mit einem Gewände bedeckten und studirten.2 Ueberhaupt war in allen diesen und den folgenden Jahrhunderten die äußere Lebensstellung ohne maßgebende Bedeutung für den geistigen und sittlichen Einfluß des Mannes, und dieser ohne bestimmende Folge für jene. Wie in Rabban Gamliel und Rabbi Iosua, so saß gar oft die bitterste Armuth neben dem opulentesten Reichthum auf einem und demselben geistigen Ehrenplatz der Nation, und es war gar oft der Aermere nicht der minder Gefeierte. „Kinder, Leben und Nahrung", sagte man, „sind nicht durch persönliches Verdienst, sondern durch göttliche Berhängnißaufgabe bedingt", und wies dabei gerne auf Rabba und Rab Chisda hin: Beide gefeierte Lehrhäupter ihrer Zeit, beide Muster sittlicher Pflichttreue. Rab Chisda erreichte ein Alter von zwei und neunzig Jahren, Rabba starb zu vierzig. Rab Chisda erlebte in seinem Familienkreise sechszig Hochzeiten, Rabba sechszig Trauerfälle. In Rab Chisda's Hause verschmähten die Hunde Weißbrod zur Fütterung, in Rabba's Hause suchte man Gerstenbrod für die Menschen, und hatte es nicht —^ Während aber so auf der wissenschaftlichen Laufbahn keine materiellen Preise winkten, sehen wir doch Jahrhunderte lang, man kann sagen, fast das ganze Volk wissenschaftlichen Studien hold und hingegeben. „Die erste Rechenschaft, die man einst im Jenseits abzulegen haben wird, wird die Frage betreffen, ob und wie viel man sich von der Wissenschaft angeeignet"/ der Gedanke beflügelte Alle, und weil der Unterricht, zumal der höhere, völlig frei, und Jedem ausnahmlos die Gelegenheit zur Bildung gegeben war, darum fand auch der „Am Haarez", der völlig ungebildet Gebliebene im socialen Menschenkreise eine schwere Berurtheilung, die sich oft in hyperbolischer Herbe äußerte. Es waren daher nicht Ein- Nedarim 50, a. — — ° Peßachim 49, b. Nedarim 49, b. Sauhedrin 20, a. — Moed kalan 28, a. — Sauhedrin 7, 2*