Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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12 -HS-- hälwissen, ernährten. Zu den Gefeiertesten unter den Gefeierten, geradezu zu den Säulen der Wissenschast, zählen z. B. Hillel, Rabbi Josua, Rabbi Akiba, Namen, die auch nichtjüdischen Kreisen nicht mehr fremd klingen. So arm war Hlllel, dieser größte Geist semer Zeit, als Jünger der Wissenschaft, daß er täglich einen Aster erarbeitete, wovon er die Hälfte dem Thürhüter des Lehrhauses gab und von der andern Hälfte mit seiller Familie lebte. Als er einst an einem harten Wintertage keine Arbeit gefunden, und ihm der Thürhüter den Eingang des Lehrhauses wehrte, stieg er aufs Dach des Lehrhauses, legte sich auf das von oben lichtspendende Fenster und lauschte von dort auf die Worte seiner Lehrer Semai und Abtalion. Dort liegt der wissensdurstige junge Mann und achtet der Schneedecke mcht, die auf ihn fällt und ihn begräbt. Am andern Morgen wundert man sich im Lehrhause, daß es nicht Tag werden will, schaut hinauf und erblickt einen Menschen auf dem Fenster liegend. Man findet Hillel unter sechs Fuß hohem Schnee. Man befreit ihn, bringt ihn durch Waschen und Einreiben wieder zu sich, macht, wie gesetzlich, obgleich ein Sabbath, Feuer zu seiner Erwärmung, und sagt mit Bewunderung zollendem Lächeln: Der wahrlich verdient es, daß seinetwegen der Sabbath verletzt werde! Auf diesen Hillel wies alle Folgezeit hin, wenn sie Nahrungssorgen nicht als Entschuldigung für vernachlässigtes Studium gelten lassen wollte/ Wer schreibt den Namen „Hillel" an die Pforten unserer Hörsäle, um unsere Jugend für den reinen Dienst der Wissenschaft zu begeistern! — Rabbi Josua, eine der eminentesten Größen der Wissenschaft und um seiner wissenschaftlichen Bedeutung willen Chefpräsident des höchsten Gerichtes, ernährte sich von — Köhlerarbeit? „An den Wänden deines Hauses sieht man, daß du ein Köhler bist!" sagte staunend Rabban Gamliel, das reiche, in Reichthum geborene Akademie-Oberhaupt, der ihn, den Kollegen, in seiner Wohnung aufgesucht hatte, um ihm wegen zugefügter Kränkung Abbitte zu leisten, und ihn in geschwärztem Hause fand. „Wehe der Zeit, deren Führer du bist," entgegnete Rabbi Josua, „wehe dem Schiffe, dessen Steuer du führst, da du die Bekümmernisse der Wissenschaftbeflissenen nicht kennst, und nicht weißt, womit sie sich beschäftigen und wovon sie sich ernähren!"^ Und Rabbi Akiba, dieser zweite Hillel der jüdischen Wissenschaft, ursprünglich Hirt des reichen Kalba Sabua, und mit dessen, eben um dieser Neigung willen von ihm verstoßenen Tochter verheirathet, lebte mit seiner Frau im buchstäblichsten Sinne in Winterkälte auf dem Stroh, und mußte zu ihrem Tröste ein noch Aermerer sie um etwas Stroh für seine Wöchnerin gewordene Frau ansprechen I Auf Antrieb dieser seiner Frau widmete sich R. Akiba dem Studium, ' Joma 35. b. — 2 Berachoth 28. a.