Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2580773-2580778--0246-2581094- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
10 -Hm-- selbst zur Schule, oder frühstückten nicht, bevor sie ihren Knaben das gestern Erlernte repetiren und Neues hatten zulernen lassen/ Manche hielten auch Hauslehrer für ihre Kinder, und es werden angesehenste Gelehrte als solche genannt/ Es wird aber ein bedeutender Werth darin gesetzt, seine Kinder und Enkel selbst zu unterrichten. Wer seine Kinder und Enkel, heißt es, selbst im Gesetze unterrichtet, der bewährt sich, als habe er die Offenbarung unmittelbar am Sinai zur Weitervererbung empfangen/ Und nicht nur seine nächsten Angehörigen, Jeder hatte an Jeden den Anspruch auf Mittheilung Dessen, was er von der gemeinsamen Wissenschaft in sich aufgenommen. Wer den Sohn seines Nächsten in die Wissenschaft einführt, wird sein zweiter Vater/ Wer einem Jünger die Mittheilung eines Lehrsatzes versagt oder vorenthält, der beraubt ihn seines väterlichen Erbes; denn die Lehre ist das allgemeine Erbgut der gesammten Jakobsgemeine, und selbst die noch Ungeborenen, die aus den Händen einer jeden Gegenwart die Lehre empfangen sollen, fluchen seiner Lehrkargheit/ Wer einem Jünger seinen belehrenden Umgang versagt, versagt ihm die größte Wohlthat/ Stete und ewige Wohlthat übt aber Der, der die Wissenschaft lernt und lehrt, oder wer die Schriften der Wissenschaft durch Abschriften vervielfältigt und sie Andern leiht/ Mehr als das Junge, so lautet der Volksspruch, zu saugen wünscht, ist es der Thiermutter Vedürfniß, zu säugen. Und es war kein materieller Vortheil mit der Kenutniß der Wissenschaft zu gewinnen. Frei und Allen zugänglich wie das Sonnenlicht und die Lebenslust war die Wissenschaft. Nur für den Unterricht in der geschriebenen Lehre durfte eine Vergütung genommen werden, aber die der lebendigen Mitteilung anvertraute Wissenschaft war nicht käuflich. „Kaufe" dir einen Freund und „schaffe" dir einen Lehrer, lautete der Spruch/ denu eiu Lehrer war nicht zu kaufen. Selbst den geringsten Nutzen aus der Wissenschaft zu ziehen, ward als Entheiligung derselben betrachtet. Es hieß die Krone der Wissenschaft als Dienstmagd gebrauchen. Ein Weiser hatte sich einmal durch unwillkürliche Nennung seines Namens vom sichern Tode gerettet und konnte sich dies sein Leben lang nicht verzeihen/" Zur Zeit einer Hungersnoth hatte Einer eine Brodvertheilung zunächst für Jünger der Wissenschaft eröffnet. Speise mich, wie du einen Hund, einen Raben speisen würdest, lautete da die Weigerung eines nothbedrängten Jüngers, seinen Antheil an der Wissenschaft zu nennen, um nicht von seiner Wissenschaft Nutzen zu ziehen, ' Kiduschin 30. a. - - Kethuboth 8, b. — Kiduschin 30. a. — Sanhedrin 19, b. — " Sanhedrin 91. d. — " Kethuboth 96. s.. —? Das. 50, a. — « Peßachim 112, a. — " Aboth 1, 6. — " Nedarim 62, a.