Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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--^ 6 -HS-- lichen Verstände Unzugänglichen sich versteigende Spekulationen bilden ihren Inhalt. Der Auf- und Ausbau eines individuell menschlichen, Familien- und socialen Lebens, unter dem gestaltenden Einfluß ewig gültiger Nonnen der Sittlichkeit, der Reinheit, des Rechts und der Liebe, das ist die Aufgabe dieser Wissenschaft; es ist die Wissen chaft von der Menschenpflicht auf Erden, und sie begreift hier den Menschen in der Totalität aller seiner Erscheinungen und Beziehungen, sein inneres Denken und Fühlen, seine sinnliche Gebundenheit und sittliche Freiheit, seinen Geist und seinen Leib, sein Wort und seine That, das ganze Individuum mit allen seinen Bedürfnissen und Obliegenheiten, und wie es sich über seine Individualität hinauslebt in die Ehe, die Familie, die Gesellschaft, den Staat mit allen seinen Gliederungen, und eben in diesem Hinausleben erst recht sich seiner selbst bewußt und theilhaft wird. Da ist Nichts in dem ganzen Bereiche dieser Wissenschaft, das nicht jedem Menschen in der ganzen Mannigfaltigkeit sich abschattender Zustände und Lagen entweder selbst znr Erfüllung käme, oder ihm Verhältnisse und Beziehungen erleuchtete, unter deren Einfluß er sich bewegt, Nichts, von dem er sagen könnte: das liegt mir fern, und seine Erkenntniß hat keinen Werth für mich. Und auf, daß er die ihm in dieser Wissenschaft gezeichnete Lebensaufgabe mit klarem Blick aus dem Wesen der Dinge und deren Bestimmungen erfasse, führt sie ihn ein in die denkende Weltbetrachtung, lehrt ihn die Welt aus Gott, und sich aus seiner Stellung in der Welt begreifen, löst ihm die Räthsel der Geschichte, die Räthsel des Völker- und Menschen- Lebens und giebt ihm die geistige Einsicht und Kraft, denkend seinen Lebensweg zu vollbringen. Ist es ein Wunder, daß der Mund seiner nationalen Sänger und Weisen überströmt von dem Werthe und der Bedeutung und den Reizen dieser Wissenschaft? Sich selbst findet der Mensch in ihren Lehren wieder, Weisheit in ihren Maximen, Freude in ihren Aufgaben, Licht in ihren Geboten, Beständigkeit in ihrer von Gottesfurcht getragenen Sittenreinheit, Wahrheit und Rechtsharmonie in ihren Aussprüchen; sie sind das höchste anzustrebende Gute, werthvoller als alle Schätze, süßer als alle Honigsüße/ Die Beschäftigung mit der Wissenschaft verleiht geistige „Flügel", die allem irdischen Leid entheben, sie ist das absolut „Gute", und kein Leid ist Leid, so lange es die Beschäftigung mit der Wissenschaft nicht hemmt/ Keine Stätte ist Gott so eigen und hellig, als die „vier Ellen", in denen die Wissenschaft gepflegt wird/ Wo Drei, wo Zwei, wo auch nur Einer sich mit der Wissenschast beschäftigt, da ist Gott gegenl Ps. 19, 8 f. — 2 Berachoth 5. a.. - - das. 8, 3..