Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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-M- 5 HS---- Und diesen, für jede politische Schwäche mehr als Ersatz bietenden Talisman erkannten sie in allvervreitetster geistiger und sittlicher Bildung, erkannten sie in allgemeinster Pflege jener nationalen Wissenschaft, deren theoretische Erkenntniß und praktische Verwirklichung überhaupt die geschichtlich gegebene Basis des Volksdaseins ihrer Nation bildete. Drei Momente zeichneten sie sich und ihren Nachfolgern als Leitstern ihrer Wirksamkeit vor: seid bedächtig in praktischer Anwendung der gegebenen Normen eurer Wissenschaft, schaffet derselben einen schützend erweiterten Boden der Verwirklichung, und stellet ihr in möglichster Menge „Schüler" her/ Wenn sie mit den ersten beiden Maximen den Leitern der Nation die bedachtsamste Gewissenhaftigkeit und die umsichtigste Weisheit für die Verwirklichung der ihren Händen anvertrauten Gesetzeslehre empfahlen, so war es eben diese dritte Maxime, mit welcher sie Kenntniß dieser Gesetzeslehre und die tiefste, unverschlossenste Einsicht in ihren Inhalt zum Gemeingut des ganzen Volkes machen wollten. Nie hat wohl sonst eine Legislative, wie wir diese Versammlung nennen würden, die man so gerne als die Vorläufer aller künftigen hierarchischen Bevormundung und Berdummung der Völker zu bezeichnen geneigt sein möchte, nie hat die leitende Körperschaft einer Nation also sich jeden bevormundenden Vorzugs entkleiden, also die Nation selbst und jeden einzelnen Nationalgenossen zum competentesten Richter ihrer Entscheidungen und Erlasse bestellen, nie hat der Lehrkörper einer Nation also sich überflüssig und durch Verbreitung allseitiger Wissenschaft und Kenntniß sich jedes Standesvorzuges berauben wollen, als die Männer dieser Versammlung es mit dieser Maxime gethan, mit welcher sie alle Söhne ihres Volkes zu Jüngern ihrer Wissenschaft beriefen. Sind dies doch dieselben Männer, welche die Bitte um „Kenntniß, Einsicht und Vernunft" als das allererste von Gott zu erflehende Anliegen jedem Sohne ihres Volkes in das Buch seines täglichen Gebetes hineinschrieben. Und wohl wußten sie, was sie in diesem Grundsatz zum Ausspruch brachten. Sie kannten die Wissenschaft, als deren Depositäre sie nicht sich, sondern die Nation in ihrer Allheit begriffen, und zu deren Jüngerschaft sie das Volk in allen seinen Gliedern zu berufen lehrten. Ist doch kaum eine andere Wissenschast geeignet, „Volkswissenschaft", Gemeingut eines Volkes, Medium der Gesammt-Erleuchtung und Veredlung eines Volkes zu werden, also wie diese! Ihr Gegenstand ist ja im vollsten und eigentlichsten Sinne eben das „Volk". Nicht transcendentale, in das Bereich des Übersinnlichen, dem natür- ' Aboth I, 2. - - Berachoth 33, a. 1*