Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1870
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 14)
- Language
- German
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-MW- 13 ^A-- bilden, in welcher der heutige junge jüdische Mensch zum „Juden" in dem ganzen geistigen und sittlichen Adel dieses Begriffs heranwachsen soll, gesellt sich nun noch die ganze Wucht der geistigen Kämpfe, die sich im Lager des europäischen Gedankens ym nichts Geringeres, als den ferneren Besitz oder Verlust der höchsten, aus den Händen der jüdischen Wahrheit empfangenen Grundbasen des menschlichen Denkens und Wollens, um ferneren Besitz oder Verlust der Ueberzeugungen von Gott und der sittlichen Freiheit des Menschen, deren Negationen mit einer, beschränkter Gedankenflachheit nicht ungewöhnlichen Petulenz als angebliche Resultate tiefer Forschungen überall im populärsten Gewände als die neueste, die Erlösung von Gott und sittlichem Pflichtbewußtsein predigende Botschaft an Jung und Alt hinandringt und einem Materialismus des Denkens und Wollens die Bahn eröffnet, der nicht nur das Judenthum, der überhaupt das Menschenthum der Gegenwart zu untergraben droht. Da bleibt die jüdische Erziehungsaufgabe nicht blos Ueberlieferung des Überlieferten, da hat sie zugleich die Aufgabe eines Priester- und Prophetenthums für dies überlieferte jüdische Menschenheiligthum an ihr werdendes Geschlecht zu üben. Sie kann ihre jüdische Menschen-Aufgabe nicht blos praktisch vererben, sie muß ihre Jugend zur theoretischen Kenntniß, und zwar zum Selbstschöpfen der Kenntniß aus dem Urquell führen, auf daß sie dann an den Brüsten dieser Erkenntnißquellen und an der Selbsterfahrung bewußtvoller Erfüllung ihre Söhne und Töchter zu einer solchen Helle der Erkenntniß und zu einer solchen Wärme des Pflichtstrebens, zu einer solchen Schätzung, Achtung, Liebe und Begeisterung für ihre ganze jüdische Lebensaufgabe erhebe, daß sie allen den hier nur in flüchtigen Umrissen gezeichneten, von jüdischem Denken und jüdischem Wollen verlockenden Einflüssen nicht nur mit Sündhaftigkeit, sondern mit freudigem Hochgefühl, mit dem Hochgefühl in einer solchen Zeit Jude sein zu sollen und zu wollen, entgegengehen. Da darf die Erziehung Nichts von dem ganzen Gegensatz innerhalb und außerhalb der jüdischen Welt verschweigen und verschleiern. Sie muß, eingedenk des altjüdischen Satzes, daß nur Erkenntniß frei mache, en laeli Ken ekorin ela. mi sekeossek katkora.) ekerutli al kallueliotk, nicht nur die tkora, sondern auch all das Gegensätzliche zur Erkenntniß bringen, unter dessen Einwirkung im Zusammenleben und Zusammenwirken diese tliora heutigen Tags zur Erfüllung steht. Nur Dem, was seinem innern Wesen nach erkannt und gewürdigt worden, kann, soweit es Widerstand verdient, widerstanden, und nur es, so weit es Ueberwindung verdient, überwunden werden. Bor der Helle des Gedankens schrumpft Das zur Pygmäenwinzigkeit zusammen, was in dem Dämmerlicht der Unkenntniß