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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1870-01-01 · 1870 · p. Seite 9

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Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1870
Date
1870-01-01
Page
Seite 9 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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wie an Körpererscheinung, so auch an Charakterwesen nicht zwei Menschen einander völlig gleichen, daß somit die Verwirklichung der verschiedenen Seiten des sittlichen Menschen- Ideals in der Eigenart der verschiedenen Menschen auch verschiedene Förderung oder Hinderung finden müsse, so daß dieselbe sittliche Aufgabe, die der Eine mit Leichtigkeit löst, dem Andern schwer zu beseitigende Schwierigkeiten bietet, hinwieder Dieser eine andere mit Freuden erfüllt, deren Lösung dem Andern nur nach schweren Kämpfen gelingt, — das liegt auf der Hand, und bedarfs kaum einer weiteren Erörterung, wie das gewissenhafte Erziehungs-Geschäft sich daher überall individuell zu bethätigen habe, für die eine gemeinsame sittliche Aufgabe jeden Zögling nach seiner Art erziehend zu gewinnen, hier diese, dort jene Anlage zu wecken, zu fördern, oder hemmen und beherrschen zu lehren, keine aber völlig zu unterdrücken, alle vielmehr in die Bahn und die Richtimg zu leiten, in welcher jede in Gott dienender Bethätigung ihre sittlich heilige Bedeutung gewinnt. Die ein- und angebornen Anlagen und Neigungen werden den jungen Menschen länger als der Erzieher durch's Leben begleiten, und nur was er mit Berechnung dieser Anlagen und Neigungen, mit Benutzung dieser Anlagen und Neigungen, ja ganz eigentlich auf diese Anlagen und Neigungen sür die Lösung der sittlichen Lebensaufgabe gegründet, nur das wird er für's Leben gewirkt haben, nur das wird der von ihm Erzogene noch im Greisenalter bewahren. Allein nicht nur unter dem Einfluß seiner eigenartigen Natur steht der Mensch. Ebenso wichtig wirkt seine Umgebung, wirkt vor Allem seine „Zeit", wirken die unter seinen Zeitgenossen zur Geltung und Herrschaft gelangenden Ideen, Anschauungen, Lebensgrundfätze und Lebensgewöhnungen auf ihn. Unter allen diesen Einflüssen zusammen gestaltet sich äarkO) sein einstiger Lebensweg, und wehe dem Erzogenen, wenn dem Erzieher bei dessen Erziehung diese Einflüsse nicht vorgeschwebt, er ihnen keine Rechnung getragen, er auf sie seinen Zögling nicht vorbereitet und nicht vielmehr bereits sein Erziehungsgeschäft in Mitten und in einwirkender Gegenwart aller dieser Einflüsse vollbracht, die des Zöglings einst im Leben warten, und denen gegenüber er nur dann seine geistige und sittliche Selbstständigkeit wird bewahren können, wenn sie ihn nicht überraschen, wenn er früh schon sie begreifen und würdigen, und wo seine jüdisch sittliche Aufgabe Widerstand gebeut, mit Ernst und Ruhe ihnen zu widerstehen gelernt. So gewiß die leibliche Gesundheit unserer Kinder eine frühe, aber verständig geleitete Abhärtung ihres Körpers gegen „Wind und Wetter" fordert, und dasjenige Kind am sichersten als Jüngling und Mann mit leiblichem „Schnupfen" dem Wechsel der Witterung erliegt, das eine unvorsichtige Pflege eben aus Mangel verständiger Bor-Sicht ->

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