Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1870
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 7)
- Language
- German
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e -HUdem es unmöglich sein soll, das, was er als goldene ewige Wahrheit weiß, gegen werthlose Schaumarken zu vertauschen, mit welchen eine zeitweilige Welt, mit Vertröstung auf einstigen Umsatz in Wahrheit-Münze sich gegenseitig täuschend, ihr zeitweiliges Spiel vollbringt. Und er sieht darin die ganze Hoffnung des künftigen Mannes, der einst seinen Willen zur That machen soll, der seinem: „Ich will!" zuerst als Alleinherrscher unterwerfen soll die eigene Brust mit Allem, was als Leidenschaft ihn zum Vollbringen des Gemeinen und Schlechten und vom Vollbringen des Edlen und Guten verlocken möchte, und sodann mit demselben „Ich will!" daran gehen soll, in dem kleinen Kreis, den er den Seinen wird nennen können, dem Wahren und Rechten, dem Edlen und Guten eine Stätte der Verwirklichung zu erobern, und nicht zurückschrecken soll vor all den Kämpfen und Schwierigkeiten, die überall gerade dem Vollbringer des Guten sich entgegenthürmen, und nicht hinabsinken soll zu jener kläglichen, allem wirklichen Guten verderblichsten Schwäche, die sich überall mit dem „guten Willen" begnügt, und, der Sinnenlust erliegend und ihre kleine Welt der Herrschaft des Schlechten erliegen lassend, mit einem „ich habe es besser gewollt" sich tröstet und himmelwärts seufzend sich heiligt, und hat doch nur das Bessere gewollt, wenn sie dabei keinen Feind in der inneren und keine Feindschaft in der äußeren Welt zu scheuen gehabt, und ohne Kampf und Widerstand hätte gut zu sein und gut zu handeln vermocht. Aber er sieht auch darin den wichtigsten Fingerzeig für sein Wirken. Er wird Nichts gethan haben, wenn er seinem Zögling die Lehre des Wahren und Guten nur vorgepredigt, nur katechismusartig Phrasen und Sätze vom Wahren und Guten dem Gedächtniß und der Rede eingeprägt und eingewöhnt, auch durch Machtgebot äußerliche Erfüllung des Guten erzwungen. Er wird nur dann Etwas gethan zu haben glauben, wenn er den Weg zu der Ueberzeugung seines Zöglings gefunden, wenn es ihm gelungen ist, dessen eigenem „Sinn" Erkenntniß und Einsicht des Wahren und Guten und verurtheilenden Abscheu vor allem Lügenhaften und Gemeinen zu „eigen" zu machen und seinen Sinn zu einer nur auf das Wahre und Gute gerichteten Gesinnung und Denkungsart zu veredlen. Er wird endlich nur dann Etwas gethan zu haben glauben, wenn es auf diesem Wege, auf dem Wege des Geistes zum Herzen, auf dem Wege der Erkenntniß zur Anerkenntniß ihm gelungen ist, den „eigenen Willen" seines Zöglings zu einem freudigen Selbstwollen des Guten und Edlen zu begeistern, den Gotteswillen, wie die jüdische Weisheit spricht, zu seinem Willen zu machen, also, daß sein „Ich will!" fortan nur den Ansatz zum Edlen und Guten bedeute. Gelingen wird ihm dies, und vor allem dauernd gelingen aber nur, wenn seinem