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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1870-01-01 · 1870 · p. Seite 5

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Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1870
Date
1870-01-01
Page
Seite 5 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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-MZS- 5 -chD" heftigsten, sinnlichsten Triebe, die, uncontrolirt das Grab des Menschen und der Menschheit werden, gehören auf dem Böden dieser Erziehungstheorie dem Heiligsten an, wollen nicht unterdrückt, wollen nur beherrscht und geleitet, und damit mächtigster Hebel der den Mannesadel bedingenden sich selbst beherrschenden sittlichen Freiheit, und zugleich die edelsten an dem sittlichen Menschheitsbau wirkenden Kräfte werden. Auch der Zorn und der Haß, der Hochmuth und der Eigensinn, die Trägheit und das Phlegma und alle die anderen unsittlichen und unschönen Charakteruntugenden sind in ihren Anlagen dem Guten heilig, wenn die ekinuek-Arbeit der Erziehungskunst es früh versteht, Zorn und Haß in Entrüstung und Feindschaft gegen alles Schlechte und Gemeine zu verwandeln, Hochmuth und Eigensinn zu sittlichem Selbstgefühl und zur Festigkeit im Wahren und Guten zu veredeln, Trägheit und Phlegma auf Geduld und Gleichmuth bei Unvermeidlichem herabzustimmen u. s. w. Und Raar nennt diese alte Erziehungssprache den jungen Menschen, und bezeichnet damit die Jugend als die Zeit, die äußere Eindrücke noch leicht „abschüttelt", in welcher das junge, frische Menschenwesen noch lebenskräftig von innen heraus gegen jedes Postulat eines Anderseins reagirt und sich eigenartig zu erhalten und zu gestalten sucht. Nur gedankenlose Erzieher mögen diese Reaktionskraft der Jugend beklagen. Wäre freilich die Jugend ein Wachs ähnlich bildungsfähiger Stoff, der jedem äußeren Eindruck sofort sich aufnehmend hingibt, ihr menschenbildendes Geschäft wäre gar leicht und Erziehen — keine Kunst. Allein sie vergessen, so leicht und kunstlos, eben so vergeblich wäre ihre ganze Bildungsarbeit. — Was hätten sie mit all ihrer Bildungsarbeit vollbracht, wenn die gefügig weiche Natur ihres Bildungstoffes ihn ebenso auch allen den ihrigen entgegengesetzten Eindrücken gefügig weichen ließe, und so ihr Werk immer passiv den wechselnden Einflüssen der Umgebung hingegeben bliebe, und nichts zu werden vermöchte als ein jeweiliges Produkt äußerer gestaltender Mächte! Der gedankenvolle Erzieher sieht in dem Eigen-Sinn und Eigen-Willen jugendlicher Reaktion die ganz eigentliche Borbedingung seines Werkes, zugleich aber auch den wichtigsten Fingerzeig für sein Wirken. Er sieht darin die ganze Hoffnung des künftigen Mannes, der einst einstehen soll für seine Ueberzeugung, der, wie das Wort jüdischer Weisheit lautet, die „Wahrheit kaufen aber nicht verkaufen" soll, dem Das, was er als das Wahre und Rechte erkannt, nicht feil sein soll für „alle Schätze der Welt", der nicht bereit sein soll, seine Ueberzeugung wie ein Gewand mit der Mode zu wechseln.

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