Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1870
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 4)
- Language
- German
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bestimmung in aller ersten Linie sich, ihre Kinder und ihr Haus zu erziehen, und die diesen Grundzügen entsprechende Lebensaufgabe zuerst im eigenen Hause umgestaltend zur Verwirklichung zu bringen, wahrlich, die Heileszukunft des Menschengeschlechts wäre kein so einem in unbestimmte Ferne gerückten Einst zu überantwortendes Problem. Nicht eine bessere Zeit bringt die besseren Menschen, bessere Menschen bringen die bessere Zeit. „Zeit" im social geschichtlichen Sinn ist ja überhaupt nur das Abstractum für die conkrete Wirklichkeit einer zeitgenössischen Menschengesellschaft. In jedem Kinde haben wir aber ein Stück dieser kommenden Zeit, und mit jeder guten und rechten Erziehung eines Kindes für das Gute und Rechte haben wir einen constituirenden Bestandteil der kommenden Zeit rektifizirt. Wohl ist das Bewußtsein von Dem, was die Jugend für die Zukunft bedeutet, keiner Zeit weniger als unserer Gegenwart fremd, und das überall der Schule zugewandte Interesse, sowie der über das leitende Prinzip derselben lebhaft geführte Kampf sind beredte Zeugen dieses Bewußtseins. Allein, wenn, wie nicht zu leugnen, Schulen, vorwiegend Unterrichtsanstalten, die Aufgabe der Erziehung nur secundär und nur mittelbar zu fördern vermögen, insofern jede wahre und rechte Erziehung eine Erkenntniß des Wahren und Rechten voraussetzt, welche durch Erziehung zur Anerkenntniß und zum leitenden Grundsatz zu erheben ist: so dürfte die Mahnung nicht überall überflüssig erscheinen, über die Schule nicht die Aufgabe des Hauses, über den Unterricht nicht die Aufgabe der Erziehung außer Augen zu verlieren und um so mehr nicht zu vergessen, daß nicht dort, sondern ganz eigentlich hier der Schwerpunkt der Zukunft liegt, je weniger ja auch die Lösung der Schulfrage Sache des Einzelnen ist, und. je mehr auch das einzelne Haus gar oft geneigt ist, die Schule auch für das Scheitern der von ihr vernachläßigten Erziehung verantwortlich zu machen. Dürfte aber ein Wort für die zu beachtende Macht der Erziehung überhaupt nicht unzeitgemäß erscheinen, so möchte nach der vorhin bemerkten Bedeutsamkeit des Erziehungsmomentes in der ganzen geschichtlichen Erscheinung des jüdischen Volkes, es Freunden der Erziehungs-Sache nicht unwillkommen sein, aus dem reichen Erfahrungsschatz jüdischer Ueberlieferung einen Satz hervorzuheben, der ganz besonders maßgebend für jüdische Erziehung geworden, und dessen Beachtung kein geringer Antheil an dem so sichtbar nachhaltigen Erfolge dieser Erziehung beizumessen sein dürste. Lkanoeli 1a.nii3.ar a.1 «larkn, lautet ein jüdischer Erziehungskauon; „erziehe den Knaben nach Maßgabe seines Weges," Zam jaskln 1o jassnr Numennv) „noch als Greis wird er nicht davon lassen." 1*