Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1870
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 3)
- Language
- German
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--^A- 3 -HA--- Pflicht zu erziehen, daß sie auch nach seinem Heimgang den Weg Gottes, den Weg des Rechts und der Milde wandeln würden. Und wenn nun das abrahamitische Gepräge eines für Menschlichkeit und Recht begeisterten Strebens und einer den Lebensweg auf Erden als gottgewiesenen Weg erfassenden Gesinnung noch heute in den Söhnen und Töchtern der weithin zerstreuten abrahamitischen Familie sich nicht verläugnet, und der in Abrahams und Sarahs Wanderzelt ihrem Kinde eingeprägte Erziehungskeim noch jetzt in den spätesten Epigonen sich lebendig und befruchtend zeigt, wie dürfte die Thatsache dieser Erfahrung für alle Diejenigen Weg weisend sich bewähren, denen eine Bessergestaltung menschlicher Verhältnisse aufrichtig am Herzen liegt. Wie weit die oft einander entgegengesetzten zeitgenössischen Ansichten auch in Beurteilung der Gegenwart und der anzustrebenden künftigen Gestaltung, in welcher jede das nach ihrer Ueberzeugung Bessere erkennt, auseinandergehen: darin scheinen sie alle nur zu sehr befangen, daß diese bessere Zeit nur durch Einwirkung auf die äußeren, großen, communalen und staatlichen Angelegenheiten herbeizuführen sei. Und nur allzusehr dürfte gerade eben der Faktor übersehen bleiben, der allein die Zukunft an ihrer Wurzel zu fassen vermag, und dessen Bethätigung mit vollster Unabhängigkeit einem Jeden in die Hand gegeben ist. Die großen Gänge der Zeiten gerade eben der Richtung seiner Ueberzeugung gefügig und adäquat zu gestalten—so gewiß das offene und redliche Einstehen für seine Ueberzeugung und mit seiner Ueberzeugung im öffentlichen Leben von Mannespflicht und Mannesehre geboten und nie verloren ist — wie unsicher ist dafür doch der Erfolg, und welchen Wechselfällen ist auch nur die Realisirung Eines Wunsches und Einer Hoffnung in dieser Richtung ausgesetzt! Allein „seine Kinder und sein Haus nach sich" wie der Bibelvers heißt, für seine Ueberzeugung und seine Lebensgrundsätze, die ihm das Gute und Bessere sind, erziehend zu gewinnen, das — wenn nur Mann und Weib, Vater und Mutter Eins sind in diesen Ueberzeugungen und Grundsätzen — ist Jedem gegeben, und wie unendlich viel ist damit einem Jeden gegeben, und mit welch unvergleichlich sichrerem Erfolg könnte sich die Umgestaltung und Bessergestaltung der „Welt", wie man das nennt, in den stillen Räumen der Kinderstuben und des Familienlebens vollziehen, wenn dort der menschenbildenden Macht der Erziehung im Sinne des Besseren und für dieses Bessere mit entschiedenem Ernst gehuldigt würde! — Gäben sich alle die, die Eins sind in Dem, was ihnen die Wahrheit und das Recht, die Sittlichkeit und die Menschheitsbestimmung bedeutet, das Wort, für die Erkenntniß und Verwirklichung dieser Wahrheit und dieses Rechts, dieser Sittlichkeit und dieser Menschen-