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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1864-01-01 · 1864 · page 55

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Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1864
Date
1864-01-01
Page
– (sequence 55)
Language
German
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IRI
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— 56 — vorgenommen werden, und könnten die Schüler selbst zu poetischen Versuchen aufgemuntert werden; freilich nicht um sie für die Dichtung heranzubilden, sondern um sie mit den Schwierigkeiten dieser Gattung der Literatur vertraut zu machen, ihren Geschmack an poetischen Werken zu bilden und ihr Urlheil darüber richtig anzuleiten. Hat nun die Didactik die, dem Gegenstande angemessene Forderung zu stellen, daß alles theoretisch Erlernte an Musterbeispielen klar gemacht und durch Nachbildung Praktisch angewandt werde, so haben doch nur die selbstgefertigten Arbeiten der Schüler einen Werth für diese, wie für den Lehrer selbst, da sie denselben von dem vorangegangenen richtigen Verständnis; des Gelernten überzeugen. Daß statt dessen viele Lehrer Regeln und Lehren der Grammatik mit prosaischen und poetischen Beispielen aus klassischen Schriftstellern belegen uud dieselben von den Schülern auswendig lernen und hersagen lassen, das erscheint verkehrt und tadelhast. — So sind wir denn bis zur höchsten Stufe gelangt, welche für die Schule, wie für den Schüler die bedeutsamste und wichtigste ist. Für die Schule, denn das Gesammtbild ihrer Thätigkeit wird durch die oberste Classe erst zur Vollendung gebracht. Das Kunstwerk ist kein Ganzes, wenn des Meisters letzte Pinselstriche noch daran fehlen und ebenso geht uns die richtige Würdigung ihrer Leistungen ab, wenn der Schule Gesammtwirken nicht unverkürzt in die Erscheinung treten kann. Aber mehr noch tritt die Wichtigkeit dieser Classe für den Schüler selbst hervor. Ihr Besuch fällt in die Zeit seiner höheren geistigen Reife; die innere Erregtheit des Knaben in den vergangenen Iahren hat aufgehört nnd Pflegt einer ernstern Strebsamkeit Ramn zu gestatten, wenigstens bei denen, welche nicht aus dem unverständigen Verlangen, früh selbstständig zu werden, die Schulzeit Herumwünschen. Wohl dem Schüler, dem es vergönnt ist, eine gute Schule bis zu Ende zu besuchen: ihre Segnungen begleiten ihn durch das ganze Leben; er hat nicht nur für den Broderwerb gelernt, er ist Mensch geworden durch sie. Die oberste Classe bringt das Wissen zu einem relativen Abschluß, und mehr noch fließt der Unterricht veredelnd auf den Charakter ein. Daß dieß vornehmlich von dem Sprachunterricht gesagt werden kann, ist so allgemein anerkannt, daß man hier keine weitere

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