Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
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— 57 — Argumentationen erwarten darf. Hat nun die Sprache den Schüler auf allen Stufen des Schullebens begleitet, so werden in fortschreitendem Wachsthum Form und Inhalt in schöner Harmonie sie veredeln, und die reine Sprache den Gedanken, und der reine Gedanke die Sprache beherrschen. Was sie in dem Schulleben geistig gewonnen, wird für ihr Denken und Sprechen, Fühlen und Handeln im Leben von Einfluß sein, wie das stets von Einfluß auf die Sprache der Völker und Zeitalter war, was sie als ihr Ideal erkannten und erstrebten. Die religiöse Poesie war die vorherrschende Literatur bei den Juden; die Griechen begeisterte die schöne Kunst oder die Siege in den olympischen Spielen; die glänzendsten Productionen der Sprache finden wir im alten Rom auf dem Gebiete politischer Beredsamkeit; im Mittelalter ertönten Lieder, welche Heldengeist, Liebe nnd Ritterthum besangen; und für Wahrheit, Freiheit und Humanität erhebt die Gegenwart ihre Stimme. — Für alles Hohe uud Erhabene wollen wir unsere Jugend begeistern; für alles Hohe und Erhabene diene uns die vaterländische Sprache und Literatur. Der schönste Antheil an dieser Aufgabe ruht unstreitig in den Händen des Lehrers, welchem diese Disciplinen in den obersten Classen anvertraut sind!--- Wenn einst die Sprache aller Völker eine geläuterte geworden, wenn, wie Jacob Grimm es im Geiste sieht, „die Menschensprachen, „wie sie von den Stufen jenes babylonischen Thurmes getrübt und „zerrüttet ausgegangen, in unabsehbaren Zeiten rein und lauter „zusammenfließen," dann wird auch uusere deutsche Sprache nicht die „letzte in der Laufbahn" geblieben sein, und die Lehrer gepriesen werden, denen das herrliche Loos zu Theil geworden, Mitarbeiter an dem schönen Werke gewesen zu sein. Ihre Sprache ist, wo nicht das einzige, doch das edelste und theuerste Gemeingut der Deutschen. Unvertilgbar sind uns die ersten Eindrücke, die wir durch ihre Vermittlung empfangen haben, unvertilgbar die Liebe zur Heimath, an welche sie uns, auch in weiter Ferne, mit zarten und doch so festen Banden kettet. So möge sie unfern Kindern erhalten bleiben, wie wir sie ihnen zuführen durch die Meisterwerke vaterländischer Schriftsteller, durch das Leben und die sinnige Betrachtung der Natur. Denn die Erkenntniß der Natur