Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2580773-2580774--0095-2581018- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
52 — kann. Aus der Satzlehre gehört nur der einfache nackte Satz hierher. — Diese Vorkenntnisse setzen den Schüler in den Stand, den Inhalt seiner Gedanken bestimmt zu geben, den Inhalt des Gehörten ebenso bestimmt aufzufassen. Aber so leicht und faßlich das Pensum auch ist, so bedarf es doch fortwährender Wiederholung und Uebung, weil bei weitem die meisten Verstöße gegen die Sprachrichtigkeit in der Rection vorkommen, und namentlich der richtige Gebrauch der Verhältnißwörter selbst manchen Erwachsenen noch zweifelhaft ist. Für den stylistischen Zweck dienen die Versuche in Bildung von Wortfamilien und deren ungekünstelte Anwendung in Sätzen — nicht in Aufsätzen — in Umschreibungen und fortgesetzten synonymischen Uebungen. Hierbei ist die Bemerkung wohl am Orte, daß der Gebrauch der üblichen Terminologie, wie mir scheint, nicht allein zulässig, sondern sogar zu empfehlen sei. Es werden für diese Termins so viele deutsche Übersetzungen gebraucht und in die Lehrbücher aufgenommen, daß sie nur zu Mißverstand führen müssen. Mit den, aus einem falsch verstandenen Purismus hervorgegangenen, ungenießbaren Übersetzungen und Umschreibungen dieser nun einmal angenommenen und verstandenen Ausdrücke erweist man der Einheit und Reinheit unserer Sprache wahrlich keinen sonderlichen Dienst. Nach einem solchen, vier bis fünf Jahre lang genossenen Unterrichte in der deutschen Sprache kann man wohl erwarten, daß die Kinder keine erheblichen Sprachfehler mehr machen, — es müßte dies denn aus Unachtsamkeit geschehen. Von größter Bedeutung für die weitere Vervollkommung in der Sprache ist die nun folgende (dritte) Classe, für welche ich ebenfalls einen zweijährigen *) Cursus (und wöchentlich 2 Stunden Grammatik) annehme. Mehr als in jeder andern Classe wird hier die umsichtige Thätigkeit des Lehrers in Anspruch genommen, denn sie muß sich nach einer doppelten Richtung hin bewegen. Die dritte Classe vermittelt nämlich gewissermaßen den Uebergang von der zweiten Daß in unserer Unterrichtsanstalt die 3. und 4. Knabenklasse in einjährige Curse getrennt sind, hat auf die Verth eilung des Sprachstoffes keine weitere Einwirkung.