Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
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— 45 — Verfrüht hingegen ist das Verfahren, schon in den ersten Wochen mit dem A. B. C. zu beginnen; vielmehr sollte es in der ersten Zeit der Lehrer seine Sorge sein lassen, daß das Kind seine Schule und die Anordnungen für die kleinen Schüler kennen lerne, daß ihm die Anleitung zu einem sittsamen und anständigen Verhalten ertheilt werde; er erzähle den Kindern allerhand, lasse sich von ihnen etwas erzählen, lasse sie im Taete buchstabiren, oder zeige ihnen, wie der Griffel oder der Bleistift gehalten werden und die Tafel gelegt werden muß u. dgl. m. Die Buchstaben werden sie rasch genug kennen lernen, wenn sie einmal in ihrem neuen Verhältnisse orientirt sind, mag man nach der Schreiblesemethode unterrichten, oder Schreiben und Lesen auseinanderlegen. Endlich dürfte auch der Ausspruch Rousseau's hier zu beachten sein, „man müsse nicht pedantisch Sprachfehler der kleinen Kinder verbessern wollen;" denn wir machen oft die Beobachtung, daß die Kinder im Verhältnis fließender und richtiger sprechen, wenn sie in die Schule eintreten, als später, wenn sie erst Sprachunterricht empfangen. Sie werden dann befangen, indem sie die Sprachfehler zu vermeidet! suchen, und ihr Vortrag verliert an Geläufigkeit. Diese Fehler verlieren sich, wie Rousseau hinzusetzt, mit der Zeit von selbst. Die nun folgende Classe (die fünfte) wird gewöhnlich von sieben- und achtjährigen Kindern besucht und bildet die höhere Stufe des Elementarunterrichts. Denkübungen treten an die Stelle der Anschauungsübungen und bilden nunmehr die wesentlichere Grundlage des Sprachunterrichts. Ueber die Wahl des Stoffes zu diesen Denkübungen kann es jedoch verschiedene Ansichten geben. Auf der eineu Seite wird die Meinung geäußert, daß das zweite (für manche Kinder jedoch das dritte) Schuljahr die Thätigkeit in derselben Weife fortsetzen müsse, wie sie das erste (und beziehungsweise das zweite) begonnen. Auf der Elementarstufe müsse der Denkunterricht noch an die sinnliche Anschauung anknüpfen, Stoff, Form uud Farben dem kindlichen Verstände auch serner vorgeführt werden, Vergleichungen und Unterscheidungen angestellt werden und vorzüglich noch die Namen der Dinge, ihrer Theile und ihrer Eigenschaften gelehrt werden. Ein solcher Anschauungsunterricht sei eine wesentliche Vorbereitung für den Realunterricht, der in der nächst-