Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
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— 42 — dieses Verhältniß hat zum Nachtheil sich geändert in unserer Zeit. Jetzt verlieren in gewissen Kreisen unsere vornehmen und bequemen Mütter die Kunst immer mehr, wie man mit dem Kinde plaudert und spielt. Diese hören nur das Gesinde reden, und während sie den Müttern, die ja ganz andere Dinge zu thun haben, täglich in schmuckem Anzüge, wie in großer Parade vorgeführt werden, sind Domestiken ihre ersten Sprachlehrerinnen. Und welche Lehrerinnen! Was müssen unsere Kinder Alles sehen, welche Sprache von ihnen hören! Unreine Worte werden ihren Ohren zugeführt, das Vergnügen an dem Unschönen ihnen beigebracht, ein leichtfertiges Betragen läßt man sie erblicken, eine unverständige oft ungerechte Zucht wird an ihnen geübt und hierdurch die Empfindung des Widerwillens, des Eigensinns, der Nachsucht geweckt, die Wahrheitsliebe untergraben, aber für Sittsamkeit und bescheidenen Anstand hören sie keine Stimme sich erheben. Nicht in seltenen Fällen ist das die Vorbildung, mit welcher viele Schüler, selbst Kinder wohlhabender und rechtschaffener Eltern, in die Schule treten, und darin pflegt der Grund zu liegen, weshalb der Lehrer oft vergebens gegen Unarten ankämpft, weil sie nun schon zu tief eingewurzelt sind. Das Gemüthsleben influirt auf den Gedankenkreis, und dieser auf die Sprache, und die Sprache wieder auf die Bildung und das Gefühl. Hier also, in diesem uferlosen Meere eines unaufhörlichen Wechsels aller Seeleneinwirkungen, mögen frühe die Eltern, und besonders die Mütter ihren schönsten Wirkungskreis erblicken, mögen sie die süße, wenn auch zuweilen unbequeme Elternpflicht erfüllen, nicht aber sich ihren Kindern in unverantwortlicher Weise entfremden. Dann werden sie sich manches harte und ungerechte Urtheil über die Schule weniger erlauben, und auch sich selbst manchen Verdruß an ihren Kindern ersparen. Gehen wir nunmehr zu dem Schulleben über, dem der Zögling in der Regel vom sechsten bis zum fünfzehnten Lebensjahre an-- gehört. Wunderbar rasch in der That war der Fortschritt vom ersten Tage bis zum sechsten Jahre; allein er erscheint uns noch größer, weil der Unterschied zwischen dem Nichts und dem Etwas uns so bedeutend sich darstellt. Der Knabe und das Mädchen wachsen nunmehr langsamer; aber die neu erlangten Kräfte schließ en sich an die