Mannheim
Compact Memory

Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1864-01-01 · 1864 · page 39

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1864
Date
1864-01-01
Page
– (sequence 39)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2580773-2580774--0083-2581006
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 40 — Kinder in Lagen zu bringen, in welchen ihr Geist vi et Beschäftigung findet und sie besonders mit andern wohlerzogenen Kindern ihres Alters zusammen zn bringen, denn nirgends entwickelt sich die Individualität des Kindes rascher uud selbstständiger, als in der Gesellschaft von seines Gleichen. Das Wachsthum des geistigen Lebens in der Kiudesuatur ist ja auch ein so allmähliches, die Grenzen der Anschauungsuud Deukkraft verschwimmen so ineinander, daß es eine höchst schwierige Aufgabe ist, die Fortschritte lenkend zu begleiten und den Unterricht mit denselben in eiu eutsvrecheudes Verhältnis? zu briugeu. Lassen wir das Kind gewähren, so gehen wir sicher. Unsere psychologischen Erfahrungen uud Beobachtungen von dem Entwickeluugsproceß der kindlichen Seele in ihrem frühesten Alter sind noch lange uicht sicher genug festgestellt, als daß wir mit künstelnder Hand eingreifen dürften. Wer kann die Grenzen auch nur der sinnlichen uud geistigen Anschauung genau angeben? Dasselbe Kind betrachtet heute ein Gemälde mit ganz anderem Auge, lauscht den Tönen einer Musik mit ganz anderem Ohr, als es gestern that, als es morgen thut! Thnn wir hier Mißgriffe, so ist der Schaden bei Weitem tiefgreifender, als ein mangelhafter Unterricht in spätern Jahren, weil die Eindrücke in zarter Jugend tiefer gehen. Hier müssen wir unS um so mehr passiv verhalten, und die Natur frei walten lasseu. Eiue zärtlich besorgte Mutter, wacht sie schützend über das Gedeihen ihres Lieblings, und Pflege und Nahrung empfängt er, ohne darüber reflectiren zu müssen. Die heutige Nahrung gibt ihm Lebenskraft für den morgigen Tag, und so lehrt auch, wie Herder deu Bibelspruch hierauf auwendet, ein Tag den andern, eine Stunde die andere, ein Gedanke den andern. In der Darreichung der Nahrung nur können wir zu Hilfe kommen, uud darin besteht die einzige Aufgabe des ersteu Unterrichts. Die Worte sind die Hüllen für unsere Gedanken und Gefühle, aber unsere sinnlichen Anschauungen werden durch die Sprache auch wieder vergeistigt. Das Kind, welches nur das Gute vor sich sieht, das Reine sprechen hört, dessen Natur wird eine veredelte werden; es wird selbst das Gemeine und Niedrige in den Vorkommnissen des Lebens mit reinerem Auge anschauen, mit unschuldigerem Gemüthe beurtheiten. Die meiste Zeit verbringen die Kinder in dem Schöße

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.