Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
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— 37 — Es ist ein unseliger Irrthum, in welchem das Volk und selbst viele Lehrer befangen sind, zu glauben, der Maßstab eines guten Lehrers sei eine gute Methode. Ich habe selbst die Meinung von namhafter Seite schon aussprechen hören, diejenigen Lehrer seien die tüchtigsten, welche auf die, in den Seminarieu vorgeschriebenen Methoden am besten eingeschult und abgerichtet worden seien, als wenn man Geister abrichten und Grundsätze beliebig schematisiren könnte! Abgerichtete Lehrer sind nur Maschinen. Der Weg des Lehrers führt nicht immer über gerade, geebnete Landstraßen. Auf seiner Wanderschaft wählt der vernünftige Reisende die Beförderungsmittel je nach seiner Bequemlichkeit und ihrer Zweckdienlichkeit. Mögen Sandwüsten mit Schneegefilden, Meere und hohe Atvenvüsse vor ihm wechseln: er weiß, wo er das Maulthier mit dem Dampfwagen oder dem Segelschiffe, den Leiterwagen mit dem Kameel oder Rennthier vertauschen muß. So auch stellen dem Lehrer auf seinem Wege unendliche Schwierigkeiten, theils subjectiver, theils objectiver Natur sich entgegen; er selbst aber muß die Einsicht haben, die geeigneten Mittel zu wählen, um diese Schwierigkeiten zu besiegen. Schlimm „bis er brach — unselige Kunstrichter und Regelnschmiede!" Ebenso eifert Herder in seiner gekrönten Preisschrift: Ueber den Ursprung der Sprache, gegen diese neue Richtung, welche damals doch nur in Gelehrtenschulen vertreten war. „Es ist beinahe unbegreiflich", schreibt er, „wie „unser Jahrhundert sich so tief in die Schatten, in die dunkeln Werkstätten „des Kunstmäßigen verlieren kann, um das weite helle Licht der eingekerkerten Natur in andern Jahrhunderten auch nicht erkennen zu wollen. Aus „den größten Heldenthaten des menschlichen Geistes, die er nur im Zusammenstoß der lebendigen Welt thun und äußern konnte, sind Schulübungen „im Staube unserer Lehrkerker, aus den Meisterstücken menschlicher Dicht- „kunst und Beredsamkeit Kindereien geworden, an welchen greise Kinder und „junge Kinder Phrases lernen und Regeln klauben. Wir haben ihre Formalitäten, und haben ihren Geist verloren; wir lernen ihre Sprache, und „fühlen kaum die lebendige Welt ihrer Gedanken.... Da sollen die stumpfen, späten Gesetze der Grammatiker das Göttlichste sein, das wir verehren, und dabei die wahre göttliche Sprachnatur vergessen, die sich mit dem „menschlichen Geist vereint bildete, so unregelmäßig sie uns auch scheinen. „Die Sprachbildnng ist in die Schatten der Schule gewichen, aus denen sie nichts mehr für die lebendige Welt wirket."