Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
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— 36 — ablauschen. Die grüßten Redner des Alterthums, Demosthenes, Cicero, Perikles, Cäsar eroberten die Herzen durch ihre Sprache, nicht als Grammatiker, sondern als praktische Staatsmänner oder Feldherren. Noch ehe man im entferntesten eine Philosophie der Grammatik ahnte, hatten die Oden eii es Pindar eine gebildete Nation entzückt, die Chöre eines Euripides die Seelen bezaubert, von dem majestätischen Schwünge eines noch die spätesten Zeitalter begeisternden Iesajah zu geschweigeu! Und brauchen wir soweit zurückzugr-ifen? Hat, was Sprache und Literatur anlangt, das neunzehnte Jahrhundert vor dem vorigen denn so große Resultate voraus. Hat man nöthig, die Erinnerung an die unsterblichen Heroen wach zu rufen, welche als Sterne erster Größe am literarischen Horizonte den späten Geschlechtern noch in unvergänglichem Glänze leuchten werden, und an deren Lichte sich so manche heilige Flamme entzündete? Sie, unsere Meister und Lehrer, die Zierde und der Stolz des deutschen Vaterlandes, gehören dem vergangenen Jahrhundert an, oder ihre Iugendbildung wenigstens wurzelt in ihm. Nicht von dem modernen Sprachunterricht haben sie empfangen, daß sie hier mit spielender Cyclopenkraft Wege durch Felsengebirge gebahnt, dort wüste Gefilde cultivirten, um tausendfache Saaten darauf auszustreuen, und, selbst Muster der Sprache, Schöpfer neuer Wissenschaften wurden. Wie die Dichter und Leuker aller früheren Völker, haben auch sie einen einfacheren Unterricht genossen, sie empfingen ihre Sprachbildung aus dem Leben, und alle, durch die Productivität ihres Geistes erzeugten Schöpfungen, der treue Spiegel ihres eigensten tiefsten Wesens, gab ihr Genius dem Leben wahr und treu zurück, „Die Geschichte der Sprache"^ sagt Grimm daher mit Recht, „lehrt viele Abwege meiden, denn sie zeigt uns, daß jederzeit die „Wahrheit denen erschienen ist, welche auf die Spur der Natur, „fern von menschlicher Schulweisheit, getreten sind.*) In den „Fragmenten zur deutschen Literatur" äußert sich Herder mit größerer Rigorosität: „Ein Muster entscheidet durch sein königliches Beispiel mehr, als zehn Wortgrübler und klärt, wenn es mit seinem Strahlen- „angesicht austritt, mehr auf, als hundert Leichenfackeln der Grammatiker ..., „Sprach- und Schulmeister sind die ersten, die die Sprache verderben, daß „sie, wie sie sie wollen, zu nichts taugt. Sie polirten das Instrument so lange, „bis es gut zum Anschauen und Aufhängen war; sie krümmten und oehn- „ten, bis es schwach, bis es verunstaltet wurde; sie schnitzelten am Bogen