Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
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— 33 — wir, daß die ausgezeichnetsten Geister dieser letztern Ansicht huldigten, von Baco von Vernlam und Erasmus von Rotterdam bis hinab zu Pestalozzi, und daß erst mit diesem hervorragenden Namen, von dem wir sie am wenigsten erwarten konnten, die Spaltung begonnen. Pestalozzi, dessen ruhmvolles Audenken jedem Schulmann ewig theuer sein wird, der Mann mit dem warmen Herzen und der liebevollen Seele, Pestalozzi wäre in: Stande gewesen, mehr als irgend ein Anderer in der Didactik eine neue Aera einzuführen, wenn es ihm nicht an praktischem Geschick und an praktischer Einsicht gefehlt hätte. Aber eben dieser Mangel, welcher bekanntlich eine Quelle bitterer Leiden und herben Mißgeschickes ihm gewesen war, ließ ihn auch beim Sprachunterricht Fehlgriffe thun, über welche die Pädagogik längst abgeurtheilt hat. Zur Charakteristik seiner Ansichten ge nügt, die beiden extremen Momente seines Unterrichtes herauszuheben, die auf die Anlage des Ganzen schließen lassen. Ihm war nämlich das letzte Ziel der Sprache, „uns von dunkeln Anschauungen zu deutlichen Begriffen zu führeu", und er will diesen Unterricht damit begonnen sehen, „daß das erste Lallen des Kindes in der Wiege eingeübt werde!" — Aber erst allmählich bildete sich nnter seinen Nachfolgern jene specnlative Sprachlehre aus, welche iu unfern Tagm ihren Glanz- und Höhepunkt erreicht zn haben scheint. Je weniger daher die hier vertretene Ansicht in der Gegenwart ihre Borkämpfer findet, um so mehr möchte der Blick nach der Vergangenheit zurückzuwenden uud jener Männer zu gedenken sein, welche, mit praktisch-verstäudigem Sinn das Bedürfuiß des Volkes richtig erkennend, und gleichzeitig die Fähigkeiten des jugendlichen Verstandes gehörig würdigend, iu Bahnen einlenkten, welche damals zu einem Umschwung im Erziehnugs- und Unterrichtswesen führten und wird der Leser freundlich Nachsicht üben, wenn ich einige Aussprüche derselben hier citire. M. Lnther, der Reformator des deutschen Schulwesens überhaupt, und des Sprachnuterrichts insbesondere, welcher die Wichtigkeit des grammatischen Unterrichts keineswegs unterschätzte, gab seine Mei nung u. A. in Folgendem kund: „Es lernt ein Jedermann, sagt er, „gar viel besser Deutsch aus der mündlichen Rede im Hause, aus dem „Markte, und in der Predigt, denn aus den Büchern. Die Buch- ' 3