Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
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— 32 — durch die Grammatik erlernen zu lassen. Sollte das Kind seine Muttersprache nicht vielmehr schon durch ihren täglichen Gebrauch erlernen können, wie es bei den Völkern des Alterthums, und im vorigen Jahrhunderte noch in uuserm deutschen Vaterlande geschah? Es versteht sich von selbst, daß grammatische Uebungen nicht gänzlich ausfallen können, wäre es auch nur, um Sprachfehler auszumerzen, welche sich das Kind im elterlichen Hause oder durch Umgang angewöhnt hat; allein solche Uebung sollte nur das dringendste Bedürfniß berücksichtigen. Erst wenn die Sprache des erwachsenen Schülers Eigenthum geworden, ist es an der Zeit, ihm eine Grammatik in die Hand zu geben, und jetzt darf auch ein erfreuliches Resultat von ihrem Gebrauch erwartet werden, da der herangereifte Verstand größere Fähigkeit und wahrhafteres Interesse dafür voraussetzen läßt. Hier muß sich nun die Frage uns aufdrängen, welches Maß von grammatischem Wissen denn als dringendes Bedürfniß zu bezeichnen wäre, und was ein Leitfaden enthalten müsse, der bis zu den letzten Schuljahren ausreichen könne? Die Beantwortung dieser Frage hängt meines Erachtens lediglich von der Bedeutung ab, welche man dem Unterricht in der Grammatik beilegt. Wer dieselbe, wie es bei den besten Sprachlehrern*) jetzt der Fall ist, als die Grundlage des Styls und des sprachlichen Wissens betrachtet, der wird ein voluminöses Lehrbuch nicht zu umfangreich, und hunderte von Regeln, die es enthält, nicht vom Uebel finden. Wer aber, wie es uns richtiger scheint, die Grammatik nur als Begleiterin des deutschen Unterrichtes ansieht, welche nur die Bestimmung hat, den richtigen Gebrauch der Sprache zu erleichtern, an Präcision im Ausdruck zu gewöhnen, aber als Grundlage eines guten Styls vielmehr fortwährende Sprechübungen und einen geistvollen Leseunterricht erkennt, der wird die Kenntniß der grammatischen Regeln auf ein Minimum beschränken und den kürzesten Leitfaden in der Hand des rechten Lehrers für den brauchbarsten finden. Verfolgen wir die geschichtliche Entwicklung des Sprachunterrichtes seit dem Wiederaufblühen wissenschaftlicher Bildung, so sehen *) S. Rudolph, d. Stylübungen S. 35.