Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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— 30 — bietet jeder Unterricht, auch wo die von mir vorgeschlagenen regelmäßigen Sprechstunden nicht eingeführt sind, genügsam Gelegenheit, besonders durch die Übersetzungen aus fremden Sprachen und bei dem Geschichtsunterricht, wenn er nicht in Einübung bloßer Daten und Namen besteht; wo aber der Styl unter unmittelbarer Aufsicht und Leitung des Lehrers auch mündlich in freien Unterhaltungen geübt wird, dürfte für Gewinnung einer Fertigkeit und Gewandtheit in Handhabung der Sprache dasselbe Ziel erstrebt werden, das sonst nur durch eine häufige Wiederholung schriftlicher Uebungen erreicht wird. Unsere Sprache bildet sich unaufhörlich aus, sie nimmt zu, so lange unsere geistige Kraft zunimmt. Wie unser Geist strebt auch sie nach immer größerer Vollendung und das Ringen mit dem Ausdruck hört auch nach erlangter Meisterschaft nicht auf. Diesem Streben nach Selbstvervollkommnung wird bei einer beschränkten Zahl von jährlichen Aufsätzen offenbar nur Vorschub geleistet. Dazu kommt, daß eine genaue Correktur sämmtlicher Aufsätze nur so ermöglicht wird. „Die Athenienser" sagt Plato, „sehen auf Reichthum und Zierlichkeit der Sprache; die Lacedämonier auf Kürze; die Kretenser auf Fruchtbarkeit der Gedanken." So mögen wir denn mit deutscher Emsigkeit diese Vorzüge zu vereinigen suchen, und unseren Kindern nicht zu gehaltloser Redseligkeit, wohl aber dazu die Anleitung geben, wie sie verfahren sollen, um einem, Leben und Wahrheit athmenden Inhalt auch geschmackvolle und edle Formen zu verleihen. Gern hätte ich hier noch manches auf den Stylunterricht Bezügliche besprochen, so namentlich die Pflicht des Lehrers, Geistesthütigkeit und Geistesbildung gleichmäßig in der Schule zu berücksichtigen, und letztere — ein Product der Realwissenschaften — mit ersterer — durch den Sprachunterricht bedingt — in ein richtiges Verhältniß zu bringen, was immer ein Zeugniß für die Umsicht und Besonnenheit des Lehres liefert. Will ich aber den Raum einer Abhandlung nicht allzusehr überschreiten, und das Ebenmaß der vorliegenden nicht stören, so muß ich mir selbst euge Grenzen abstecken und zu dem wesentlichsten Theil des Sprachunterrichts, zu dem grammatischen Unterricht übergehen. Die bei uns in dieser Beziehung maßgebenden Grundsätze sind bereits oben erwähnt. Allein der Widerspruch, in welchem sie theil-