Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2580773-2580774--0072-2580995- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 29 — der dazu gehörige Stoff innerhalb des Erfahrungskreises der Kinder liege, daß er andern, ihnen bekannten Disciplinen entnommen sei und ihnen zugleich zur Wiederholung des Erlernten dienen könne. Die Unlust und der Widerwille gegen stylistische Arbeiten können häufig auch wohl ihre Quelle nicht minder in der Quantität der Aufgaben finden. Der Ansicht begegnen wir nicht selten, alle Schwierigkeit beim Stylunterricht sei nur durch Masseneinwirkungen zu überwältigen, die Uebung mache den Meister und die Productiouskraft des Schülers wachse durch ununterbrochene Versuche. Mit diesen an sich nicht unwahren Sätzen, die uns selbst treffliche Handbücher der Stylistik empfehlen, kann jedoch leicht das gehörige Maß überschritten werden. Der Schüler wird verwirrt und ungründlich, die Arbeiten flüchtig und über der Quantität tritt leicht die Berücksichtigung der Qualität in den Hintergrund. Deshalb muß dem Schüler die Zeit gegönnt sein, die zu einer verhältnißmäßig gediegenen und möglichst vollkommenen Ausführung eines jeden Werkes nothwendig ist. Schon der alte Ratich *^ sagt: „Wenn man einmal oder etliche etwas sürgiebt, und sobald etwas anderes darauf, und vielerlei durch einander, so kann keines recht bekleiden, wird auch der Verstand verwirrt, überschüttet und geschwechet." Namentlich in den oberen Klassen, in denen schon eine gewisse Selbstcorrektur und die selbstthätige Anlegung der Feile vor Ablieferung des Aufsatzes verlangt werden kann, macht sich diese Anforderung in erhöhtem Grade geltend. Das Wort, welches von der Lectüre gilt, „wenig lesen, aber gut Ding oft lesen," ist in noch größerem Maßstabe hier anzuwenden! Wenig schreiben, aber nur oft und lang Durchdachtes, dann nochmals Geprüftes niederschreiben, das Niedergeschriebene aber durch stetes Feilen vervollkommnen, das verspricht auf dieser Stufe wahrhaften Gewinn vom Styl-Unterrichte, das nur kann die Anstrengung lohneu, welche Lehrer und Schüler auf den Gegenstand wenden. Bei der ohnehin den Schülern mehr oder minder spärlich zugemessenen freien Zeit und bei der Mannigfaltigkeit der den Anforderungen der Gegenwart Rechnung tragenden Gegenstände ist eine weise Sammlnng ohnehin rathsam. Die Darstellungskrast unserer Schüler zu üben, *) Geboren 1571.