Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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— 24 — Die Unterhaltungsstunden haben ferner den Z weck, dem Schüler das fehlende Material zuzuführen, das lückenhafte zu ergänzen, falsche Ansichten zu berichtigen und so ein vernünftiges Urtheil zu bilden. Die gewonnene Erkenntniß und geklärte Urtheilskraft unterstützt des Lehrers Bemühen beim Unterrichte im Lesen, Styl und in der Grammatik, indem sie das Verständniß der Lectüre erleichtert, für den Styl einen reellen Stoff darbietet, und die grammatische Richtigkeit im Reden und Schreiben naturgemäß fördert durch das Hören und die Angewöhnung einer correcten Sprache. Nicht minder erheblich sind endlich die Ergebnisse der zwischen Lehrer und Schülern gepflogenen freien Unterhaltungen, denn sie geben, abgesehen von dem erreichten Zwecke, dem Schüler dasjenige Selbstvertrauen, welches Gewohnheit und Routine mit sich führen. Junge Leute besitzen in der Regel eine gewisse Schüchternheit, wenn sie vor Gebildeten sprechen sollen, sie sind unbehülflich in der Wahl ihrer Ausdrücke und zeigen im Vortrag eine gewisse Verlegenheit. Hier helfen Kennntisse und Wissenschaft nicht ab, aber vernünftige Sprechübungen werden es wohl vermögen. Diese Unterhaltungen wären bis in die obersten Classm fortzusetzen, wo allmählich der Stoff vom Leichten zum Schwierigeren, von dem Concreten zu dem Abstracten übergehen muß, und in ihren Kreis auch Objecte unseres Seelenlebens, Tugenden, Laster, Leidenschaften, Betrachtungen der Natur und gesellschaftlicher Einrichtungen, Sitten und Gebräuche und dgl. aufzunehmen sind. Dazu dürfte die Zeit im Lehrplan gefunden werden können, ohne dem Gesammtunterricht in wesentlichem Abbruch zu thun. Was nun den eigentlichen deutschen Unterricht betrifft, so besteht derselbe, wie bekannt, aus drei, in innigstem Zusamenhange stehenden Objecten: der Lectüre, dem Styl und der Grammatik, welche nun in Nachfolgendem der Reihe nach kurz besprochen werden sollen. Das Verhältniß, in welchem der Leseunterricht zum Styl stehen soll, ist schon oben angedeutet. Die Grammatik soll bis zu den letzten Schuljahren nur die Begleiterin Beider sein, keine selbstständige Disciplin. Aber der gesammte Sprachunterricht muß als eine Einheit sich darstellen, alsein, seine verschiedenen Zweige durch consequente, harmonische Anordnung eng verbindendes Ganzes. Man