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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1864-01-01 · 1864 · page 22

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Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1864
Date
1864-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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IRI
…/2580773-2580774--0066-2580989
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— 23 — reichlichen und geeigneten Stoff zu sorgen haben. Die Entwicklung des menschlichen Geistes hat, wie die des Leibes, ihre natürlichen Stufen; wollen wir diesen natürlichen Entwickelungsgang nicht unberücksichtigt lassen, so müssen wir damit beginnen, daß wir immer das dem Kinde Bekannte und Interessante zum Gegenstande der Besprechung machen. Da unserer Seele die Kraft verliehen ist, aus der Erkenntniß einer Lehre oder Wahrheit auch viele andere zu verstehen und das, was unseres Geistes Eigenthmn geworden ist, auch auf viele andere gleichartige Verhältnisse anzuwenden, so beschleunigen sich die Fortschritte unseres Geistes in sich selbst vervielfältigender Weise. Daraus ergiebt sich, daß wir keinesweges alles dem Kiude bekannte Material zu besprechen brauchen, — was ja auch unmöglich wäre — hingegen die ausgewählten Stoffe gründlich zu verarbeiten und damit die Geisteskräfte zu schärfen haben; und dann die fernere Pflicht, die Kinder in möglichst viele Situationen zu bringen, welche ihnen die Gelegenheit zu wiederholten und neuen Anschauungen, Beobachtungen, Beschäftigungen und Erlebnissen gewähren. Das neue Schulleben selbst schon bietet neue Erfahrungen dar, so daß dem Lehrer der Stoff niemals ausgehen kann. Die Vorzüge dieses Verfahrens sind gar mannichfach, sei es in Rücksicht auf die pädagogischen Motive, sei es auf die zu erstrebenden Zwecke oder endlich auf die Ergebnisse desselben. Durch die Unterhaltungen gewinnt nämlich der Lehrer die Gelegenheit, Fähigkeit und Gesinnung des Schülers kennen zu lernen, wie den Stand und den Fortschritt seiner Kenntnisse, und das hierdurch erlangte Urlheil muß das Maß und die Lehrweise bestimmen für den nothwendig zu ertheilenden Unterricht. Socrates pflegte seine Schüler bekanntlich zuerst sprechen zu lassen, ehe er sie belehrte, denn so wollte er benrtheilen, wie weit er sich zu ihnen herablassen müsse. — Ohnedies sind diese Unterhaltungen, wenn der Lehrer glücklich in der Wahl der Stoffe ist, anziehend für das Kind, denn sein Interesse ist für den Gegenstand rege, Unaufmerksamkeit und Strafen fallen von selbst fast ganz hinweg, denn die Belehrung gewährt ihm zugleich Vergnügen und die Fortschritte steigern sich unbemerkt und naturgemäß, ohne daß das Kind gerade spielend lernt, da die Geistesthätigkeit desselben in Anspruch genommen wird.

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