Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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— 22 — wie das Kind anhebt, zwei Wörter im Zusammenhang zu sprechen, fängt das Vermögen zu urtheilen an, sich auszubilden; denn wie das Wort dem Begriff, so entspricht dem Urtheil der Satz. Zu drei Jahren können die Kinder gemeiniglich Alles sprechen, was im Bereiche ihrer Erfahrungen liegt. Je mehr sich der Kreis ihrer Erfahrungen (d. h. ihrer wiederholten Anschauungen, Empfindungen, Bestrebungen und Vorstellungen) erweitert, desto mehr gewinnt die Sprache an Mannigfaltigkeit und Reichthnm, und im Vergleich zu dem scheinbaren Nichts des Anfangs sind die Fortschritte unermeßlich, welche das Kind bis zum sechsten Lebensjahre, selbst ohne unser Hinzuthuu, gemacht hat. Das in die Schule eintretende Kind kennt eine unzählige Masse von Namen für Dinge, Eigenschaften, Thätigkeiten uud Verhältnisse; kennt, ohne aber sich Rechenschaft davon geben zu können, die wichtigsten logischen Begriffe und Beziehungen, hat die Fertigkeit gewonnen, die Wörter zu Sätzen zu bilden und die Sätze in zusammenhängender Rede zu verbinden. Wie könnten wir auf unfern künstlich-methodischen Wegen das erreichen, was die Natur in einfacher Weise vollbringt? Welche Mühe und Zeit ist dagegen aufzuwenden, bei Kindern, wie bei Erwachsenen, um eine fremde Sprache grammatisch zu erlernen?! Darum mögen wir die Winke der Natur beherzigen, und, wenn des Lehrers Kunst den Fortschritt seiner Schüler erleichtern soll, auf dem Wege fortfahren, auf welchem die Natur ihre Lehrweise begonnen. Und die Natur ist in stetem Fortschritt begriffen, doch so, daß sie nicht etwa das Frühere aufgiebt indem sie Neues beginnt, vielmehr das früher Begonnene fortsetzt, vermehrt und zur Vollkommenheit führt.*) Hier ist denn das Moment, wo die Wirksamkeit der Schule anzuknüpfen hat, und der Maßstab, welcher auf allen Stufen des Unterrichts anzulegen ist. Den Wortreichthum, den Sprachschatz noch ferner zu vermehren ist unsere Aufgabe und den Zögling dahin zu bringen, daß er frei und leicht mit diesem Schatz walten kann. Als naturgemäßstes Mittel hierzu dürften sich Unterhaltungen darbieten, mit Kindern angestellt über Gegenstände, welche innerhalb ihres Anschauungskreises liegen, und zu welchen wir für Comenius, Vf. des^ordis xietuZ.