Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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— 18 — ein Meister zu werden, doch einem Genius die Bahnen vorzuzeichnen, welche ihn dereinst zur Meisterschaft führen. Hätte ein schlichter, musikalisch gebildeter Schulmeister das Talent nicht erkannt, vielleicht wäre uie aus dem kleinen Joseph der große Haydn geworden, dessen großartige Tonschöpfungen die Nachwelt noch entzücken, und der eine edle Saat ausstreute, von deren reicher Frucht noch die späten Epigonen zehren werden. *) In derselben Lehrerversammlung wurde bei Durchsprechung der Themate über Erziehung zur Maunhastigkeit und „wehrhafte Erziehung der Jugend" der seltsame Wunsch geäußert, der Lehrer möge den einschlägigen Unterricht selbst ertheilen und zwar in dem ganzen Umfange nach dem Vorgange der Schweizer! Welche Vielseitigkeit wird heutzutage nicht vom Lehrer verlangt! Er soll mit allen Zweigen des Wissens eine vertraute Bekanntschast haben und darin zu unterrichten verstehen, in der Naturwissenschaft Fachmann sein, soll die Jugend turnen, ererciren, schießen lehren, die Sonntags- (Handwerks-) Schulen leiten, und soll doch nebenbei auch noch die große Kunst verstehen, den erhabensten und zugleich ungefügigsten Stoff — den Menschengeist zu bilden! Wahrlich, kein praktischer Handwerker oder Kaufmann würde das uns aufbürden wollen, was wir gutmüthigen Schulmeister in unserm wohlgemeinten Eifer uns selbst zumuthen! Wenn aber in den Seminarien denn doch ein Mehres zur Ertüchtigung der künftigen Lehrer geschehen soll, so sei es auf dem Es ist hier weder Zweck, noch meine Absicht, Lobredner der Tonkunst zu werden; und ich muß den Leser bitten, mir diese Digression zu verzeihen; doch kann ich mir nicht versagen, gerade in Beziehung auf unser Thema, einen hierher gehörigen Ausspruch Wilhelm v. Humboldt's zu citiren: „In Rücksicht auf die Sprache ist auch besonders zu beachten, daß die Poesie in ihrem wahren Wesen von Musik unzertrennlich ist.. . . „Wie poetisch Gedanken und Sprache sein mögen, fühlt man sich, wenn das musikalische Element fehlt, nicht auf dem wahren Gebiete der Poesie." Noch bezeichnender ist ein tiefsinniges Wort Mendelssohn-Bartholdy's über das Verhältniß der Musik zur Sprache. Aufgefordert, über seine Lieder ohne Worte eine Erklärung zu geben, schreibt er: „Es wird so viel von Musik gesprochen, „und so wenig gesagt. Ich glaube überhaupt, Worte reichen nicht dazu, und „fände ich, daß sie hinreichten, so würde ich am Ende keine Musik mehr „machen.