Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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— 17 — selig, oder noch so niedrig, dem nicht dennoch eine hinreichende, dem Bedürfniß entsprechende Anzahl junger Menschen sich zuwendete, so scheint mir dies kein Zufall zu sein. Es offenbart sich uns hier gewiß die sürsorgende Leitung einer göttlichen Weltregierung, welche mit Weisheit jedem Menschen andere Berufs Neigungen eingepflanzt, damit jede Art menschlicher Thätigkeit ihre Vertreter finde, betrieben und vervollkommnet werde, zum Vortheil des Einzelnen, wie zum Nutzen des großen Ganzen. — Und wie, diese freie Wahl sollte dem Lehrstaude beschränkt oder gar verkümmert werden? In den Seminarien sollte in Zukunft ein solcher Geisteszwang geübt werden dürfen, daß weder Talent noch Vorliebe für irgend eine Kunst oder eine andere Wissenschaft die gebührende Beachtung fänden? Ja, und wäre es auch nur die eine prosaische Rücksicht auf den pecuniären Vortheil, und sie ist ja wahrlich keine so unverzeihliche — welche die angehenden Lehrer bestimmte, sich etwa dem einträglichen Studium fremder Sprachen, dem kaufmännischen Rechnen, der Zeichenkunst oder der Musik zuzuwenden, — wie wollte man eine Einrichtung rechtfertigen, durch welche dem jungen Mann die Gelegenheit oder die Möglichkeit benommen würde, Zeit und Talent nach seinem Ermessen zu verwenden und zu verwerthen? Und die Clavierklingerei! Wahrlich, um eine gute Sache lächerlich und verächtlich zu macheu, braucht man nur erneu recht häßlichen Namen dafür zu finden' — Die Musik hat in dem Lehrerleben ihre hohe Berechtigung, ist so ganz in seine Wirksamkeit verwebt. Sie befestigt das Band der Liebe, das Schüler und Lehrer verknüpft, sie verschafft ihm im Hause manch heitere Stunde, bringt Manchem Beruhigung und Trost in's sorgenvolle Herz. Die Musik gewährt dem Lehrer Erholung von den Anstrengungen seines mühsamen Berufes und söhnt ihn aus mit vielen Widerwärtigkeiten des Lehrerlebens. Und geht denn das Wissen des Lehrers über Alles? Sind denn der Frohsinn und die Freudigkeit im Amte etwa minder in Anschlag zu bringen, deren allezeit ergiebige Quelle im Reiche der Töne zu finden ist? Darum möge die Musik nicht aus den Präparanden-Schulen, noch aus den Seminarien verdrängt werden, möge man dem Lehrer nur freudig und getrost gestatten, sie immerhin selbst zu seinem Fachstudium zu wählen. Vielleicht, daß Einer berufen ist, und wenn auch nicht selbst 2