Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2580773-2580774--0056-2580979- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 13 — ist! Die Kenntniß und Ergründnng des kunstvollen Baues der Sprachgesetze ist allerdings das letzte Ziel des Sprachunterrichtes; allein dieses letzte Ziel hat nicht die Schule zu erreichen. Hier werden wir vielmehr der Wissenschaft ebenso sehr, wie dem Leben einen wahrhaften Dienst erweisen, wenn wir dem kindlichen Geiste allmählich und consequent ein reiches Material von Wissen zuführen, die geistige Verarbeitung desselben der zukünftigen Entwickeluug des inneren Seelenlebens des Schillers überlasseud. So gewiß, wie jede mechanische Geistesdressur Verdummung erzeugt, so gewiß würde eine unnatürliche Verlegung abstrakter Wissenschaftlichkeit in die Schule im glücklichen Falle eine wenig wünschenswerthe Frühreife erzengen, die unsere Kinder seicht und altklug machen würde; es wäre eiu Arbeiten in's Blaue, die Aufrichtung eines Gebäudes, noch leichter angelegt als die reichen Zierrachen, mit denen man es ausschmückt, eitle Zukunftsmusik, für deren pikante Dissonanzen keine nüchterne Gegenwart je ein empfängliches Ohr besitzen wird. Schwerlich dürfte hier noch dem Einwände zu begegnen sein, daß die Sprache, weil sie den erhabensten Vorzug des Menschen bildet, anch schon frühe von dem Kinde als ein solcher erkannt werden müsse, und daß die höchste Himmelsgabe, welche den Funken des Gottesgeistes in dem Menschen offenbart, eine idealere Auffassung und Behandlung erheische, als andere Objecte, welche uns Bildnngsstoffe an die Hand geben. Nicht darin liegt ja der Werth der Sprache als Bildungsmittel des Geistes, daß ihre Gesetze zur selbstbewußten Anschauung gebracht werden, sondern darin, daß an der Hand des von dem menschlichen Geiste geschaffenen Sprachschatzes und der denkgerechten Anwendung desselben die Anschauung und das Urtheil sowie anch die sittliche Urtheilskrast gebildet, geleitet, berichtigt und bereichert wird. Hier ist das Praktische das wahrhaft Ideale, sowie das Ideale wahrhaft Praktisch und steht in innigster Beziehung zu dem künftigen ganzen Leben. Kraft und Zartheit, das Niedrige wie das Erhabene, legt die Seele in die Sprache, und diese bringt gleiche Empfindungen und Neigungen wieder in fremden Gemütheru hervor. An der Hand der Sprache soll sein Geist zur Reise gebracht, seiuer Seele edle Bildung verliehen werden. Die Sprache übt den entschiedensten Einfluß auf des Menschen Charakter, und wenn unser Unterricht es sich