Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Emanation des Geistes und seine äußerliche Erscheinung" — „eine Welt, welche der Geist zwischen sich und die Gegenstände durch die innere Arbeit seiner Kraft setzen muß/' Sie ist, an diese Erklärung anlehnend, nach Becker: „der in die Erscheinuug tretende Gedanke". Nach Bernhardi' s Auffassung: „Darstellung von verständigen (!) Vorstellungen des Verstandes uuter dem unbedingten Einflüsse der sinnlichen Vorstellungen der Einbildungskraft, als Ganzes dargestellt im articulirten Tone". MaxMüller: „Sprache ist der Niederschlag des Gedankens". I. Grimm: „Die Sprache ist der volle Athem menschlicher Seele". Pott: „Sprache ist die vielgeartete Botin und der Dolmetsch des menschlichen Geistes". Steinthal bezeichnet das Wesen der Sprache als „das erste Erwachen des Selbstbewußtseins und als die reine subjective Thätigkeit, welche den ursprünglichsten Stoff des Bewußtseins zu Vorstellungen formt". Eichhoff erklärt die Sprache als „den Ausdruck uud das edelste Attribut der menschlichen Seele". Für Heyse ist sie „ein System von Lautzeichen für das dem denkenden Geiste wesentlich zukommende System von Denkbestimmungen", und so wie jener Grieche zu einem Tadler der Zeuxis'schen Helena sagte: „Sieh sie ans meinen Augen, und sie wird dir eine Göttin scheinen", so wird gleich jedem sinnlichen und jedem geistigen Gebilde auch der Sprachbegriff von verschiedenen Denkern verschieden aufgefaßt. Allein wie die Wissenschaft den Begriff der Sprache auch immerhin definiren mag, die Schule hat ihn nur in seiner Bedeutung für das Leben zu begreifen und zu behandeln, und für dieses ist die Sprache nichts anders, als die Mittlerin für die äußere Darstellung des menschlichen Gedankens, wie andererseits für die natürliche Entfaltung unseres geistigen Lebens und unserer sittlichen Natur. Demgemäß sollte der Sprachunterricht nur im Dienste des Lebens stehen, uud die Sprache wohl als deu freien Ausdruck der innern selbstbewußten Seelenthätigkeit so wie als das trefflichste Mittel zur entsprechenden Weckung uud Bildung derselben ansehen, aber dabei auch die Bestimmung nicht in den Hintergrund treten lassen, Austauschmittel zu gegenseitigem Verständniß zu sein, und bei Beantwortung der Frage nach dem Umfange und dem Ziel des Sprachunterrichts sind beide Momente von gleich wesentlicher Bedeutung.