Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1864
- Date
- 1864-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Verlegenheiten bereiten, die aber gleichwohl die Entfaltung seiner geistigen Aulagen und die Ausbildung des Sprachvermögens gleichzeitig fördern. Es gibt keinen aufmerksameren und zugleich dankbareren Zuhörer, als ein Kind vou drei und vier Jahren, wenn es mit leisem Lauschen an dem Munde der erzählenden Mutter hängt, und seine Begriffe unbewußt sich erweitern, iudem sein empfängliches Herz den Lehren sich öffnet, die, in Geschichtchen oder Mährchen eingekleidet, den Samen des Guteu uud Schöuen ihm zuführen. Und so bringen der Knabe und das Mädchen mit ihrem Eintritt in die Schule dem Lehrer ein hinlängliches Material mit, welches ciue feste Grundlage für den Weiterbau des Sprachunterrichts ihm gewährt. Bei keiner andern Disciplin kann er dies sagen; für alle waren bisher nur zufällige Biosameu abgefallen, bei allen audern muß er vou Vorn beginnen, muß lauge und mühsam Sloff zum Stoffe fügen und kann sich glücklich schätzen, wenu nach neuu- oder zehnjährigem treuen Streben er dem Schüler einen solchen reichen Fonds von Wissen mir in's Leben gibt, wie dieser in sprachlicher Beziehung ein solches in entsprechendem Verhältniß der Schule zugebracht. Eine vertraute Bekanntschaft mit derselben läßt indessen das Verhältniß in einem ganz andern Lichte erscheinen. Eine bei weitem geringere Sorge machen uns gerade alle übrigen Lehrgegenstände, denn hier sehen wir die Bahnen bei weitem geebneter, das Fortschreiten viel leichter und sicherer, und unsere Mühe von einem gewisseren und glücklicheren Erfolge gekrönt. Schon der günstige Umstand kommt uns bei jedem andern Fache zn Statten, daß, mögen wir für ein analytisches oder synthetisches Verfahren uns bestimmen, wir eben den Gesammtftoff, wie die Weise seiner Verarbeitung, fast ganz in Händen haben und ihn ganz nach Ermessen vertheilen dürfen. Vorkenntnisse, welche der Lehrer bei dem eintretenden Kinde voraussetzen darf, sind allerdings nicht gering anzuschlagen; aber die irrigen Begriffe, die dabei unterlaufen, die falschen Vorstellungen, deren Vorhandensein wir kaum ahnen, viel weniger beseitigen können, uud, in Anwendung der Sprache zumal, die fehlerhaften Ausdrücke, die verkehrte Wortstellung und die unlogischen Satzverbindungen, welche dem Kinde geläufig geworden sind, tragen gewiß nicht wenig dazu bei, einem gedeihlichen Fortschritt störend entgegen zu treten und nöthigen