Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- Sechster Band (1770)
- Issue
- Dreyzehntes Stück (1770)
- Date
- 1770-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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---4 22 OXO §22 gesprochen, was er mit dem Herzen dachte. (Das ist etwas von der sogenannten Jesuitischen relervarions mentsli.) . Er giebt noch dieses Exempel an: Wenn einer in Gegenwart anderer Leute schwüre, er wolle heute nicht essen, und zu Mittage fetzte er sich doch an Tisch, so kann er sich damit entschuldigen, daß er im Herzen den Gedanken gehabt habe: er wolle nicht ausgehen. (Wer soll einem auf diese Art auf einen Schwur trauen? So kann man auf allen Seiten ausweichen!) Wer etwas beschworen hat, und dasselbe so gleich wiederrufet, er thue es nun von selbst, oder auf Ermahnung anderer, so ist der Eid auch ungültig. Jedoch verstehet es sich unmittelbar nach demselben. Jsm dritten Capitel handelt er erstl'ch von gezwungenen Eiden, und erlaubt, daß man Räubern, Mördern und Zolleinnehmern, um von ihnen loszukommen, falsche Eide schwöre» dürfe, jedoch bey den letzter» nur unter der Bedingung, wenn sie entweder eigenmächtige Zölle eintreiben , oder doch die von der Obrigkeit gesetzte Taxe übertreiben. Das verstehet sich, daß man dabey im Herzen etwas anderes denken müsse. Wenn man z. E. schwören soll, daß man kein Fleisch bey sich habe, so könne man im Herzen denken , Schweinflcisch. Oder wenn ein Zolleinnchmer fraget, ob einer keinen Taback bey sich habe, so kann der Gefragte darauf schwören, wenn er nur statt des Tabacks ein anderes Wort