Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- Sechster Band (1770)
- Issue
- Erstes Stück (1770)
- Date
- 1770-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 TL »X« LU Welt sey vergebens, wo man nicht seinen beleidig» ten Nächsten entweder durch Wiedererstattung oder durch Abbitte völlig versöhnet habe. Im dritten Capitel zeigt er erstlich, daß kein Mensch auf Erden lebe, der nicht Böses und Gutes zugleich thun sollte. Wer nun mehr Gutes als Böses thue, heiße ein Gerechter, wer aber mehr Böses als Gutes ausübe, sey ein Gottloser, und wer eben so viel Sünde als gute Werke thuk, der ist ein Benoni das ist Mittelding. (Vortreflich Hr. Mainiomdes, so werden sie den Himmel mit viel neuen Gerechten besetzen!) Diejenigen Menschen aber oder dasjenige Land, das mehr Böses als Gutes thut, muß sogleich um seiner Sünde willen sterben, und auSgerottet werden , nach dem Exempel Sodoms, von der es hieß: das Geschrey von Sodom und Gomorra ist sehr gros. Jedoch können wir die Menschen nicht schätzen, oder experimentiren, fährt er weiter fort. Es kann daher einer ein gottloser Bube seyn, und mehr Sünden als gute Werke thun, und kann ihm doch dabey wohlgehen, und so umgekehrt. Hiervon giebt er die Ursache an: Es giebt gute Werke, von welchen ein einziges viel Sünden auf sich nimmt. Wenn nun auch der größte Bösewicht nur ein einiges solcher Werke gethan hat, so kann es ihm aus diesem Grunde wohlgehen, nach dem Exempel Abia des Sohns Ierobeams, von welchem es i Kön. 14, iz. heißt: „denn dieser allein von Ierobeam wird zu Grabe kommen, dar-