Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 12 (1885)
- Issue
- 1 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
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80 Hermann Deutsch. und die rectptrte dafür setzten, in der Meinung, jene Abweichungen seien blos entstellte und verdorbene Wiedergaben des feststehenden Textes. Daß aber eine solche Annahme eine grundfalsche und, wissenschaftlich geprüft, ganz unmögliche sei, beweisen die zahlreichen Stellen, in denen die Rabbinen die abweichende Lesart hervorheben, betonen und ausdeuten, so daß die Toßaststen schon die Erkenntniß aussprachen: die Rabbinen müssen oft andere, von unserem mass. Texte abweichende Lesarten vor sich gehabt Habens, wiewohl sie an einer andern Stelle^) die Vermuthung äußern: viele Abweichungen dürften nur scheinbare sein, entstanden durch das beliebte, mehr inhaltliche, als wörtliche Citiren der bezüglichen Schrift- *) Toßafot zu Sabbat 55 b Anfangsw. הש״ס שלנו חולק :מעבירם על ססרים שלנו und ebenso Norzi zu Lev. 4,18: מציינו פעמיים רבות שהגם׳ שלנו חולק על המסורה• Wir fügen dem hinzu, daß Norzi überall, wo dieses der Fall ist, die LA. der Massoreten der der Talmuden vorzieht. Zu dem angef. Toßafot ist die Glosse N. Mba Eger's z. St. und R. Jesaja Berlins in seinem 8 הפלאח שבערכין. V. מאה, sowie יד מלאכי Nr. 283 zu vergleichen. Die spätere Literatur über diesen Gegenstand verzeichnet Strack in den krolegomsna critica in V. T. p. 97 (Lips. 1873). 2) Toßafot das. 128 a Anfangsw. ונתן, Berachot 61 a, Erubin 2 a, 18 b und ebenso Norzi zu Nehem. 4,16. Letzterer schreibt: פעמים רבות נמצאים בגמרא מקראות שאינם כהויתן כמו שכתבו התוספות בבמה מקומות ואץ להקפיד und ähnlich zu Chronik 5, 23 im Namen des R. Jomtob b. Abraham (ריטב״א). Einzelne Abweichungen geschahen Llos zum Zwecke der haggadischen Auslegung und können deshalb nicht als solche gelten, weil, wie schon Strack (1. c. p. 111) richtig sagt: הדרשנים״ ut 8na placita probarent Scripturam Sacram paullulum mutatam laudare saepe non dubitaverint"; nur halte er diese Freiheit nicht blos den דרשנים im Midrasch (im engem Sinne), sondern den דרשנים überhaupt zuschreibcn sollen, wie er auch in der That (1. o. p. 96) zu der in der Mischna Peah V, 6 vorkommenden Variante zu Spr. 22, 28 die Worte Maimonides' anführt, wonach: ״baue Uwcbnam non tarn ad 16otioni8 variotatem, quam ueuin allegoricum istum refert, quo Rabbini band raro verba Scripturae paullulum immutant aliterque legunt, non ut textum bebraicum hoc ipso emendare velint, 8ed ut ad 8copum suum illum inflectant"; außerdem gehört gerade das von ihm als Beweis herangezogene Beispiel aus dem Midr. rabba zu Numeri 7,1 nicht in diese Kategorie der zum Zwecke haggadischer Auslegung willkürlich angenommenen Varianten.