Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 12 (1885)
- Issue
- 1 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
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64 Hermann Deutsch. worden, sei, konnte selbstverständlich von den Männern, die mehrere Jahrhunderte nach Salomo gelebt, zumal bei der damaligen Art und Weise der Tradirung^) nicht gewonnen werden, und da die salomonische Zeit reich an Männern der Lehre und des Wissens, die ihre Erfahrungen ebenfalls in Sinnsprüchen niedergelegt haben werben, war, so muß die Unterscheidung der echt-salomonischen Sprüche von den Nachbildungen und Aehnlichkeitsdichtungeu nur schwer möglich gewesen sein. Die Männer Hiskijah's werden deshalb bei der Auswahl das aus der Natur der Sache sich ergebende Verfahren eingehalten haben, alles Das für salomonisch zu halten, was attf dem Namen Salomo's ging und in Form und Inhalt die Merkmale salomonischer Dichtung an sich trug; dagegen alles Dasjenige auszuscheiden, das, wenn auch auf Salomo's Namen gehend, dem Charakter salomonischer Dichtung nicht entsprach. Die letztere Gattung von Sprüchen dürfte wohl zur größern Sicheruirg der Reinheit der Sammlung eingezogen, d. i. apokryphirt worden sein, damit sie, da der Volksmund auch diese auf Salomo zurückführte, von Späteren nicht der Sammlung salomonischer Sprüche angefügt werden möge. 3. Mit dieser Auseinandersetzung glauben wir, eine 8) Diese bestand zumeist in der mündlichen Ueberlieferung und auswendigen Bewahrung und Beibehaltung (Deut. 31, 19, 28). Da diese Art der Tradirung, die noch bei den Rabbinen die vorherrschende und, wahrscheinlich wegen ihres Vorzugs für die Stärkung des Gedachtnifses s. Ouintilian XI, 2 ed. Spalding IV, p. 295: ״Invenio apud Platonem, obstare memoriae usum litterarum" etc. Caesar, B. 6.1. VI, c. 14:״ . . . czuocl fere plerisque accidit, ut praesidio litterarum diligeutiam in perdiscendo ac memoriam remittant־" Die platonische Stelle befindet sich im Phädrus bei der Besprechung der Erfindung der Buchstabenschrift) die beliebtere war (f. die Bem. Cdeles' zu Gittin 60d), der Pseudonymität, der absichtlichen und unabsichtlichen. Vorschub leistet, so begreift sich die Strenge, mit der die Rabbinen gegen letztere eifern (s. Jalkut II. Nr. 938 u. 960) und das Lob, das sie dem gewissenhaften Tradenten spenden (Abot VI, 6 u. s.). Vgl. jedoch die Erklärung Raschi's zu den Worten R. Akiba's: אם כקשת ליחנק היתלה באילן גחל (Peßachim 112 a).