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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1893-01-01 · 1 (1893) · p. Seite 251

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
20 (1893)
Issue
1 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 251 (sequence 254)
Language
German
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251 während diese mehr einen exegetischen Charakter tragen und sich an den Wortlaut der Bibel anlehnen. Die jüdischen Sagen im Ur-Christenthum datieren natürlicherweise aus vorchristlicher Zeit und dürfen daher als ererbte, nicht als entlehnte betrachtet werden.1) Aber viele Sagen, welchen wir bei den Kirchenvätern begegnen, sind unbedingt dem rabbinischen Judenthume entlehnt. Ebenso übten speciell christliche oder christologisch modificierte Sagen einen unverkennbaren Einfluss auf die rabbinisebe Literatur aus. In den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung war dieser Einfluss ein directer, von Christen und deren Literatur ausgehender, in späterer Zeit wurde er durch muhammedanisehe Schriften vermittelt.2 * 4 * * *) Die Muhammedaner gelangten in deu Besitz von nachbiblischen Sagen durch ihren Verkehr mit Juden und Christen.8) Durch Unkenntniss der Bibel werden gewöhnlich die Sagen von den Muhammedanern entstellt. Sehr bald macht sich auch der Einfluss von muhammedanischen Sagen in der jüdischen Literatur geltend. Man sieht, wie viele Combinationen bei der Vergleichung der nachbiblischen Sagen möglich sind, und welche Fragen der Forscher auf diesem Gebiete zu beantworten hat. Die Aufgabe ist keine leichte. Ausser der Kenntniss der einschlägigen Literaturen, sind Umsicht und wissenschaftlicher Ernst hier mehr als anderswo nöthig, sonst kann äussere Aehnlichkeit leicht als innere Verwandschaft betrachtet, und das richtige Verhältniss der gegenseitigen Abhängigkeit der Sagen verkannt werden. Herr Grünbaum behandelt in seinen ״Neuen Beiträgen“ fast ausschliesslich nachbiblische Sagen, welche auf biblische Personen Bezug nehmen, und stellt Auszüge aus der rabbinischen Literatur solchen aus der muhannnedanisclien entgegen. Das Material ist fleissig znsammengetragen, nur gehört Manches nicht in ein derartiges Werk, so namentlich in der Einleitung. Ueberflüssig sind die vielen gleichlautenden ExcerpteJ) und die Belehrung, dass im %) Magazin 1888, S. 95, Bereschit-Rabbati S. 31. 2) Ibidem S. 96. 8) Eldad S. 78. 4) So z. schreibt G. S. 174: ״Die von Geiger angeführte Stelle aus dem M. Tanchuma findet sich ebenso in dem von Buber edierten M. Tanchuma (IV, 62 b), ferner Bamidbar R. S. 19 zu Num. 20, 25 und an anderen.“ Dabei übersieht G., dass der von Buber edierte Tanchuma zu Numeri derselbe ist, wie der häufig gedrückte und dass Bamidbar rabba von Section 15 an nichts Anderes ist als der Tanchuma, s. Zunz G. V. S. 270.

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