Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 20 (1893)
- Issue
- 1 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 234)
- Language
- German
- Belongs to
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— 231 — Im J. 1877 erschien in Westermann’s ״illustr. deutschen Monatsheften״ und in mehreren Sonderauflagen eine Flugschrift von W. J. Schleiden: ״Die Bedeutung der Juden für Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaften im Mittelalter.״ Der Titel lässt erwarten, dass es sich um weltliche oder allgemeine Wissenschaften handle; aber das Wenige darüber ist ungenau, zum Teil für einen Mann wie Schleiden auffallend lächerlich, wie ich in der H. B. XVII, 34 nachgewiesen. Schleiden kennt die eigentlichen Quellen nicht und hat nach entstellten und ungeprüften, teils mündlichen Angaben eine Lobrede zusammengeschrieben, die für den Kenner wertlos, für das urteilslose Publikum gefährlich ist, welches mit der guten Absicht sich befriedigt fühlt und ״die Einzelheiten״ als unwichtig den ״Pedanten״ überlässt, sich nicht klar macht, dass allgemeine Behauptungen, die nicht aus richtiger Erkenntniss des Einzelnen fliessen, eigentlich Geschichtsfälschungen sind, für welche man allerdings mehr Kritik hat, wenn sie — tadeln! Schleiden’s Schrift weist wohl nach, dass es unter den Juden nie an Gelehrten aller Art gefehlt habe; aber nach dem Titel sollte offenbar die Bedeutung der Juden für die allgemeine Literaturgeschichte behandelt werden, und dazu fehlte ihm die unerlässliche Kenntniss der hebräischen Literatur und ihres Verhältnisses zur Weltliteratur. Schleiden ist offenbar die nicht genannte Grundlage der Brochüre: ״Die Verdienste der Juden um die Erhaltung und Ausbreitung der Wissenschaften״ von Adolf Ger ecke (New-York), Verf. von ״Die Aussichtslosigkeit des Moralismus״; Zürich 1893 (44 S.). Der Verf. versichert (S. 7), dass er als Christ geboren sei, und seine Schrift verrät nirgends jüdische Abkunft; hoffentlich ist er auch nicht zu den Juden übergetreten, um auf ihre Rechnung Christen und ״Arier“ in drastischer Weise und grossenteils aus Unkenntniss zu beschimpfen. Die Dreistigkeit der neuen Behauptungen verträgt sich nur mit der bodenlosen Unwissenheit des Verf., wenn nicht mit dem Verdacht Magazin, 1893. Heft III u. IV. 16