Mannheim
Compact Memory

Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1893-01-01 · 1 (1893) · p. Seite 230

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
20 (1893)
Issue
1 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 230 (sequence 233)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2572068-2572104-2572105--4810-2576752
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

230 Anforderungen nachzuweisen, wobei es an Zugeständnissen von der einen Seite und Deutungen von der Anderen nicht fehlte. Dass aber irgend eine Religion als solche eine unabhängige Forschung unmittelbar verlange oder fördere, ist meines Wissens nirgends nachgewiesen, während es an Verfolgung kühner Denker nirgends fehlte. — Auch die Vorliebe der Juden für Denken und Forschen ist nicht eine unmittelbare FoJge ihrer ״Lehreu, d. h. ihres Gesetzes. ״Der Rabbinismus zieht die Consequenz der Thora als Lehre, indem er die Erforschung und Durchführung des in derselben enthaltenen Gotteswortes als das ausschliessliche Erziehungs- und Bildungsideal zur bleibenden Richtschnur aufgestellt.a Also das Studium der Religionsquelle wird von den Rabbinen empfohlen — alles Uebrige bleibt anheimgestellt oder verpönt, und nur dieses Studium kann (homiletisch) an das Wort Thora und den Befehl, dieselbe zu lernen und zu lehren, angeknüpft werden. Hingegen erklärt sich aus sprachlichen und geschichtlichen Verhältnissen der Juden, wie dieses besondere Studium allmälig sich auf das Studium überhaupt ausdehnte, so dass schliesslich über das externe oder profane Studium verschiedene Ansichten möglich wurden. Ueber die verschiedenen Methoden der rabbmischen Dialectik und Auslegung und der mathematischen und philosophischen Deduction muss ich hinweggehen, weil sie von dem nächsten Zweck dieser Zeilen zu weitab führen würden; es genügt auf die Verschiedenheit ihrer Quellen hinzuweisen; auch die Methodologie der jüdischen Gesetzkunde basirt sich auf eine Tradition. Die vorangehende Auseinandersetzung sollte dazu dienen, eine Begriffsverwirrung aufzuklären, welche in unserer Zeit sich einzuschleichen droht, wenn von Wissen und Wissenschaften bei den Juden die Rede ist. Die Veranlassung dazu gab mir ein Schriftchen, das mir kürzlich zu Gesicht gekommen ist und sehr lebhaft an ein älteres gleichen Inhalts erinnert.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.