Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 20 (1893)
- Issue
- 1 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 232)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2572068-2572104-2572105--4809-2576751- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Jaden and die profanen Wissenschaften, eine Warnung. Von Moritz Steinschneider. Die Juden bieten dem Geschichtsforscher, insbesondere in Bezug auf ihre Cultur, zwei Gesichtspunkte dar: als ßace und als ßeligionsgenossen schaft; wenn auch für sie selbst bis zur neuesten Zeit Abstammung und Bekenntniss eng verwachsen, wenn nicht identische Begriffe waren. Bei der Frage, wie sich die Juden zur Pflege von Wissenschaft überhaupt verhalten haben, ist der Gegenstand und noch mehr Prinzip und Methode der Wissenschaft wohl zu beachten. Der Begriff einer externen Wissenschaft (חכמה חיצונית, in Anschluss an die externen Bücher ספרים חיצונים) hat sich erst nach der Einwirkung arabischer Wissenschaft entwickelt — diese Entwickelung verdiente eine Monographie. — Die Bezeichnung einer solchen Wissenschaft ist eine theologische; sie betrachtet als eigentliche Wissenschaft dasjenige, was mit religiöser Lehre und Sitte in Verbindung steht und für alles Andere massgebend ist. Die externe oder profane Wissenschaft darf Nichts lehren, was der heiligen widerspricht, am allerwenigsten darf ״die Magd sich zur Herrin“ erheben, ihre Erkenntnissquelle über die heilige stellen wollen. Wo das geschieht, erscheint es als Inconsequenz und findet Widerspruch. Die ßeligion wurzelt in der Autorität, eine unabhängige Wissenschaft (welche geschichtlich überall vom heidnischen Griechentum ausgeht) in einer menschlichen Erkenntnissfähigkeit, deren Namen, Vernunft, oder dergl., hier unerheblieh ist. Man hat alle Anstrengungen gemacht, eine Uebereinstimmung beider Erkenntnissquellen in ihren Lehren und