Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 20 (1893)
- Issue
- 1 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 224)
- Language
- German
- Belongs to
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221 meinen, sie wirft ihre Netze aus, um Fische zu fangen, während wir es in figürlichem Sinne auffassen. Es ist sogar nicht unwahrscheinlich, dass auch das Wort שותא einen Doppelsinn in sich birgt, denn es heisst sowohl ״die Kette eines Gewebes aufziehen“ vom bibl. שתי als auch ״Sprechen“ als Contraktion von שועתא. 5• AehnlicheFeinheiten des Sprachgebrauches liegen auch sicherlich vielen Ausdrücken und Redewendungen der Bibel zu Grunde, und gar manche unlösliche Schwierigkeit würde schwinden, wenn das Geheimniss derselben bekannt wäre. Manchmal liegen dieselben klar zu Tage, so dass wir mit Leichtigkeit sie erkennen können. So bemerkt Luzzatto sehr treffend zu Jes. 30,33 כי ערוך מאתמל תפתה גם היא למלך הוכן, wo das גם nicht recht verständlich ist, dass hier dem prophetischen Redner ein Wortspiel vorschwebte. Denn תסת hiess die Gräuelstätte, die dem Moloch geweiht war und hierauf anspielend sagt der Prophet, ein תפתה ist hergerichtet schon längst, auch dieses ist für den מלך, anklingend an מולך, bereitet. 6. Als belehrendes Beispiel kann auch dienen der zweite Halbvers in Jes. 19, 10: ״ .כל עשי שכר אגמי נפש Nach Raschi sind אגמי נפש stehende (ruhende) Sümpfe oder Teiche. Michlol erklärt gar u. W. mit ״Fischteiche“ oder, mit Vertauschung des א mit ע, als Apposition zu עשי שכר, die nun trauern und betrübten Gemüthes sind. In Wirklichkeit kann nur die letztere Erklärung als die sinngemässe angesehen werden, nur bei ihr kommt der Parallelismus, das Grundgesetz der hebräischen Poesie zur Geltung. Aber es ist den Erklärern entgangen, dass hier ein Wortspiel beabsichtigt ist, durch welches der Ausdruck erst seine richtige Bedeutung gewinnt und jede Schwierigkeit schwindet. Die עשי שכר die Schleusenarbeiter, deren Thätigkeit gewöhnlich darin besteht, dass sie אגמים Teiche oder, wie Raschi will, אגמי נפש ruhende nicht fliessende Wasseransammlungen künstlich bilden, damit der Schlamm sich absetze und das Erdreich befruchte oder zum Zweck