Mannheim
Compact Memory

Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1893-01-01 · 1 (1893) · p. Seite 191

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
20 (1893)
Issue
1 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 191 (sequence 194)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2572068-2572104-2572105--4771-2576713
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

191 ״Ich heisse nach meinem Vater, der ein Flei scher hier in Nikolai war, Joseph Steblitzki. Bis zum Ilten Jahre war ich bei meinen Eltern, alsdann studirte ich in Troppau in dem Jesuitenseminarium 2 Jahr, in Tarnowitz auch 2 Jahr, und in Teschen auch 2 Jahr. Nach Absolvirung der Rhetorik in der 6ten Schule kam ich zu meinen Eltern zurük, lernte die Fleischhakker-Profession; in meinem 32ten Jahr heirathete ich meine noch lebende Frau, mit der ich 4 Kinder erzeugte, wovon aber nur 2 am Leben geblieben, ein Sohn Johann Anton Steblitzki und eine an .den Chiträus zu Ribnik verheirathete Tochter Anna. Ersterem habe ich schon im Frühjahr d. J. meine gesammten Grundstükke gegen einen Auszug übergeben. Ausser dem Auszug habe ich kein weiteres Vermögen, und dermalen bin ich 60 Jahr alt. — Was die Hauptsache selbst betritt, so will ich Gott die Ehre geben, und die Wahrheit gestehen. — Seit mehr als 20 Jahren habe ich grosse Neigung zum Judenthum gehabt; und endlich mich entschlossen, selbst durch die Beschneidung ein wirklicher Jude zu werden. Seit 5 oder 7 Jahren bin ich bei der Beichte nicht gewesen, weil ich noch vor meiner Beschneidung den Sabbath mit den Juden gehalten, und mich beim Genuss der Speisen, die ich mir im Stillen gekauschert (sic!), nach der jüdischen Art und Weise gerichtet. Da dieses der hiesigen Geistlichkeit bekannt war: so wollten sie mich zur Beichte nicht annehmen; ich blieb daher davon seit 5 oder 6 Jahren völlig weg. Inzwischen ging ich doch in die Kirche, und erst von Jacobi dieses Jahres blieb ich völlig weg; denn ich fasste den Entschluss nunmehr durch die Beschneidung ein völliger Jude zu werden. Mein Verlangen nach der Beschneidung habe ich gegen verschiedene Juden von Zeit zu Zeit geäussert. Da ich aber hier im Lande kein Gehör dieserhalb fand: so ging ich nach Polen, und zwar erst nach Oswieczin und dann nach Krakau. An diesem letzten Orte versicherten mich auf mein Anliegen verschiedene Juden, dass sie zwar daselbst keine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.