Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 20 (1893)
- Issue
- 1 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 190)
- Language
- German
- Belongs to
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187 Milch and Kaffee, nicht geniesset, und bei der verwittweten Rabinerin Salomon allhier des Tages einmal zum Essen gehet. Den Bart lässt er sich nicht rasiren, sondern schiert ihn nur mit einer Scheere ab. Den gewöhnlichen Sabbath hält er mit den Juden in der Synagoge, das Morgengebet verrichtet er gewöhnlich zu Hause mit bedecktem Haupte und einem Riemen über dem Kopfe, betet die Psalmen, und lässt zu dieser Zeit niemand in die Stube kommen. Dann und wann gehet er auch Morgens weg; ich weiss aber nicht, ob er bei den andern Juden zum Morgengebet sich einfindet. Eine geraume Zeit, und wohl ein paar Jahre vor dem Michaelisfest hat er mir nicht beigewöhnet, und seit dieser Zeit mich eben so wenig bcrühret. — Seit diesem Feste hat er sich hauptsächlich der Speisen bei mir enthalten; und ob er wohl vorher mit mir und meinem Sohne gemeinschaftlich gegessen, so hat er doch sein tägliches Morgengebet in der angezeigten Art, jedoch ohne Riemen, verrichtet. Ob aber selbiger wirklich die Beschneidung erhalten, und wo solches geschehen, und ob ihn jemand von der Judenschaft zu seinem Abfall angereizet, weiss ich nicht, nur soviel kann ich sagen, dass er eine kurze Zeit vor gedachtem Feste sich aus meinem Hause verloren, ohne, mir zu sagen, wohin er gehen wollte. DreiTage ist erweggewesen, und nachdem er zurückgekommen, so habe ich ihn zwar gefragt, wo er gewesen, er antwortete aber gar nichts. In zwei Tagen darauf wurde er krank, klagte über den Kopf und Brust, nach 5 Tagen wurde er besser, und weil er das Michaelfest mit den hiesigen Juden in der Synagoge celebrirte, auch daselbst von den Bürgern Eisenakker und Kozak im einem gewissen Kittel beim Gebet angetroffen wurde, so fing sogleich das Publikum an, ihn für einen Juden zu erklären. Sonst ist er immer fleissig im Bibellesen von jeher gewesen, und er behauptete einigemal, dass die Beschneidung zur ewigen Seligkeit wesentlich nothwendig sei.*) Um Pfingsten d. J. ist er so, *j Hierzu bemerkt (xedike: ״Man siebt, dass der gute Steb-