Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 20 (1893)
- Issue
- 1 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 189)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Städtchen, zum Judenthum übergetreten sei, den Auftrag erhielt, diese Sache vor der Hand blos summarisch zu untersuchen, um sodann nach Hofe umständlich darüber berichten und weitere Verhaltungsbefehle bei diesem ungewohnlichen Vorfall erbitten zu können. Bei dieser Untersuchung ward für nöthig erachtet, zuvörderst die Ehegattin des Steblitzki vorzufordern, und nach vorhergehender Warnung, die unverfälschte Wahrheit zu sagen, über die ihr von dem Abfall ihres Mannes zum Judenthum bekannten Umständen von Anfang an zu befragen. Auf diese Warnung sagte sie auf Befragen folgendes aus:1) ״Ich heisse Mariana, geborene Steierin, bin katholisch und über 50 Jahre alt, lebe an 30 Jahr in der Ehe mit meinem Manne, und habe mit demselben 2 Kinder erzeuget, die noch am Leben sind. Der Sohn Joh. Anton Steblitzki ist gegenwärtig Interimsrathmann allhier, 28 Jahr; die Tochter ist 25 Jahre alt, und an den Arrendator Chiträus verheirathet. — Was die Hauptsache selber betrifft: so weiss ich freilich nicht zuverlässig, dass mein Mann ein wirklicher Jude geworden ist; indessen schliesse ich es aus den Umständen, weil er seit dem jüdischen Michaelisfest die Speisen, die ich zurichte und esse, ausser die dortige Judengemeinde fehlt jede autlienisehe Nachricht, da samt־ liehe Archivalien bis auf ein die Chewrah-Kadischah betreffendes Faszikel durch Brand verloren sind. 1753 begegnen wir dort zum ersten Male in deu S. J. N. einem ,,Juden-Tolleranz-Collektor“, Namens Friedrich August Lange. Nach einem von G-rünhagen im III. Band der Schlesischen Zeitschrift (״Statistische und topographische Nachrichten von den schlesischen Städten aus den Jahren 1787—88“) mitgetheilten Aktenstücke des Provinzial-Archivs (P. A. VIII. 1. h.) wurden damals in Nikolai 142 Häuser, 833 Köpfe Civilbvölkerung, darunter 84 Juden gezählt. Dass diese Zahlen aber auf Sicherheit keinen Anspruch haben, da jeder Jude dermalen eine grosse Zahl ״Hausgenossen und Schutzverwandte“ deckte, braucht nicht gesagt zu werden. *) Wie aus den weiter unten mitgetheilten Angaben über das Verhör Joseph Steblitzkis ersichtlich wird, ging dieses Verhör am 7. November 1785 vor sich.