Mannheim
Compact Memory

Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1893-01-01 · 1 (1893) · p. Seite 158

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
20 (1893)
Issue
1 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 158 (sequence 161)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2572068-2572104-2572105--4738-2576680
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

158 Maimonides’ zusammenfassendes Werk hatte es nicht verhindern können, dass in den darauf folgenden zwei Jahrhunderten eine unübersehbar reichhaltige Novellen- und Responsenliteratur an wuchs, die meistens auf die Urquellen zurückging und deswegen die Zahl der oft scharf divergirenden Meinungen nur vermehren musste. Trotz vieler Versuche konnte es nicht gelingen, den beinahe in's Unendliehe sich ergiessendon Strom der Lehre in ein enges Bett einzudämmen. Schule stand Schule gegenüber, Autorität gegen Autorität, und welcher eigentlich bei der praktischen Anwendung des Gesetzes zu folgen wäre, das konnte bei dem damals noch nicht genügend geklärten Urteile über Gelehrte, welche einer nicht lange verflossenen Zeit angehörten und in ihren Schülern noch fortlebten, weder genau bestimmt, noch zur allgemeinen Anerkennung gebracht werden. Um nur einen orientirenden Ueberblick über diese immense Materie zu gewinnen, musste viel Mühe und Zeit verwendet werden, während das Schöpfen eines abschliessenden Drteils (ססק) oft nur den gewiegtesten Talmudisten überlassen bleiben musste, wodann auch nicht selten zwei Forschende zu entgegengesetzten Resultaten gelangten.1) Dem unbeteiligten Beobachter musste dies alles als eitle Spitzfindigkeit erscheinen, über die sogar die Frömmsten den Spott ergossen, ״als über einen Streit, wo der Eine aus Rechthaberei gestatte, was der Andere verbiete und wodurch die heilige Lehre als geteilt und nicht einheitlich erscheine.“ 2) Dazu gesellte sich noch die immer mehr sich vertiefende Kluft zwischen Talmudisten und Laien. Während jene nämlich durch das Studium der lavinenartig angewachsenen talmudischen Literatur und die pilpulistische Bearbeitung derselben nicht allein vom profanen Wissen, ף Siehe darüber die Schilderung R. Josef Karo’s in der Einleitung seines *בית יוסן- Kommentars zu טור א״ח. 2) Alami, lg. Musar (I. ed. Jellinek) p. 24.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.