Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 20 (1893)
- Issue
- 1 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
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80 mochten 8ie als Lehrstoff in die Miachna des Lehrhauses aufgenommen worden sein, weshalb man auch damals die halachische Norm festzustellen sich bestrebte und bei wichtigen Controversen von bedeutender Tragweite, wie צרת הבת, Alles auf bot, um die Halacha vor allen Anfechtungen zu sichern (Jebamot 16 a) — Es ist demnach, wenn auch die Miachna 8 von ב״ש und ב״ה die ״erste Mischna*‘ vorauszetzen, das vom Verf. für seine Datierung der ״Urmischna“ gewünschte Resultat nicht gewonnen. Dass in dieser ersten Mischna keine Controversen von ב״ש und ב״ה Vorkommen, beweist nur, dass jene Halachot nicht zu den wenigen gehören, die bereits zur Zeit der Entstehung der ersten Mischna controvers waren, vgl. ״die erste Mischna“ S. 47 ff. — Der Verf. meint ferner, dass zur Zeit der Amtsentsetzung R. Gamliels (בו ביום) die Tempel- und Reinheitssatzungen ihre letzte mischnische Ausbildung erlangt haben. Freilich ist der Ausdruck ״Tempel- und Reinheitssatzungen“ cum grano salis zu verstehen, denn nach II, 40 und 43 hängen Ehegesetze in dieser Beziehung auch mit dem Reinbeitsbegriff zusammen; nach II 43 hängt auch die Challasatzung in Edujot I, wie Pe8. III, 3 beweisen 8011, ״mit der Möglichkeit der Verunreinigung zusammen;“ auch die Rechte der Frau an den Priestergaben (Ed. VII, 9, VIII, 2, 3) wird S. 44 zu den Reinheitsgesetzen in Beziehung gebracht; die Mischna’s von ב״ש und ב״ה aus זרעים und מועד gehören in den Tr. Ediot hinein, auch wenn sie keine Reinheits- und Tempelgesetze sind. Es dürfte nach alledem zweifelhaft sein, ob man den Tr. Ediot als einen sich vorzugsweise mit Reinheitsgesetzen befassenden Mischnaabschnitt betrachten darf. — Wir wollen damit nicht gesagt haben, dass alle Gründe für die Datierung der Kodoschim- und Toharottraktate aus der Zeit des R. Elieser uud R. Jösua nicht stichhaltig sind. Allein den Tr. Ediot dafür heranzuziehen, halten wir für sehr gewagt, umsomehr als wir in ״Die erste Mischna“ S. 50 Note 1 nacbgewiesen haben, dass Ediot ausser den מקולי ב״ש ומחומרי ב״ה eine Auswahl von gerade 100 Halachot enthält, die nach einem bestimmten System geordnet erscheinen. Dagegen ist dem Verf. eine wesentliche Stütze für seine Annahme entgangen, nämlich die Erklärung des Talmud (Sebachim 67 b f), dass der Tr. Kinnim dem R. Josua angehöre. Wir haben aus dieser Talmudstelle im ״Magazin 1884 S. 89 ff. zu beweisen gesucht, dass der Schlusssatz des Tr. Nesikin אמר ר׳ ישמעאל וכר (B. batra, Ende) auf einen Tr. Nesikin des R. Ismael schliessen lass ». Unserem Verf. scheint diese Erörterung entgangen zu sein, denn er kommt auf ganz andere Wege (II 53 ff) zu einem viel weiter gehenden Resultate in Bezug auf den Tr. Nesikim Es soll der dreitheilige Nesikintraktat erst zur Zeit des R. Ismael und R. Akiba entstanden sein. Es wird S. 83 zugegeben, dass alte Mischna’s in diesen Tr. eingefügt sein mögen, der Seder aber, das mischnische Gefüge, stamme erst aus dieser Zeit. — Es lässt sich aber kein genügender Grund finden, warum die ersten Mi8chna- Redactoren, welche die Midraschsätze in Halachasätze verwandelten, dies nicht auch beim Midrasch zu Exod. c. 21 ff. gethan haben sollen. Ueberdies ist auch im Tr. Nesikin eine so grosse Anzahl notorisch alter Halachot nachzuweisen, dass es uns wundern müsste, wenn diese Halachot bisher nur zerstreut und ohne Ordnung