Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 20 (1893)
- Issue
- 1 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
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78 der erste Bestandteil vom Tr. Schekalim folgen, der in der Mischna von den späteren Einschiebseln bei genauer Betrachtung unterschieden werden kann. Den nächsten sadducäischen Streitpunkt finden wir in Lev. beim Jomkippur, daher nach Schekalim Joma Den nächsten Streitigkeiten begegnen wir im Lev. 23. Pesach und Jomkippur waren schon behandelt. Es bleibt noch Omer und die zum Sukkotfest gehörenden Arawa und Wasserspenden, die von den Sadducäern bestritten wurden. Wir hätten also zunächst die Omer-Haläehot erwartet. Der Verf. hilft sich da mit der Hypothese: ,,Hier befand sich wohl früher die Omerstelle, ehe sie von der Kodoschimordnung angezogen wurde“ (I 09). Es folgt also auf Joma der erste Bestandtheil von Sukka, der über ערבה und נסוך המים handelt. Nachdem dann der Verf. in wenig einleuchtender Weise eine Verbindung zwischen Sukka und Taanit herstellt und dabei die Hypothese zu beweisen sucht, dass Theile aus Erachin und Temura einst im Seder Moed gestanden haben, wird als Ergebnis der sehr complicierten Untersuchung angenommen, es seien in der Mischna die Schriftordnung und die Aehnlichkeit der behandelten Gegenstände die verbindenden Mächte, erstere die ältere, letztere die jüngere. Duich diese Annahme werden die verschiedenen Ansätze zum Tractat Sota (von 7, 1) zu erklären gesucht. — Wir müssen nun wieder bemerken, dass wir uns mit dieser Erklärungsweise nicht befreunden können Es sind hier (Sota 7, 1 ffj verschiedene Gesetze zusammengestellt, bei denen die Thora die Kecitierung bestimmter Formeln vorschreibt, von denen manche nur in der heiligen Sprache, manche in jeder beliebigen Sprache gesagt werden können. Der Schwur der Sota gehört auch hierher, und der Tanna giebt deutlich zu erkennen, dass dies ihn veranlasst, alle diese Formeln hier zu behandeln Warum gerade hier und nicht etwa bei Bikkurim oder bei ודוי מעשר? Darauf eine sichere Antwort zu finden, dürfte heute schwer fällen. Allein bei der ausdrücklichen Erklärung des Tannaitm noch andere Anreikungsgründe anzunehmen und diese als die ursprünglichen und die des Tanna als dio später hinzugekommene zu erklären, dazu könnten wir uns nicht entschliesseu, wenn jene auch viel einleuchtender und nicht zu gesucht erschienen. Wenn ferner der Verf. schon zur Zeit Simon b. Schetachs (79 od. 100 v.j die erste Mischna entstehen lässt, 80 hat er nicht in Betracht gezogen, dass אגריפס המלך im Bikk. 3, 4 uns über die Zeit Agrippas I. hinauf zu gehen verbietet. Wir haben auch bereits darauf aufmerksam gemacht, dass auch kurz vor der Zerstörung des Tempels die Pharisäer den Sadducäismus zu bekämpfen genöthigt waren. Wenn nun die Redaction der Mischna als ein hierzu geeignetes Mittel auge8ehen wurde, so ist dies wahrscheinlicher zu einer Zeit der Fall gewesen, wo sich zahlreiche Jünger ins Lehrhaus drängten und die Lehre gewissermassen Gemeingut des Volkes geworden, als zu einer Zeit, wo die Thora nur geringe Pflege gefunden und man bemüht war, der Krone wieder ihren alten Glanz zu geben und die beinahe vergessene Thora fest zu begründen. — Indessen bin ich in meiner in ״Die erste Mischna“ ausgesprochenen Ansicht, dass die Entstehung der Controversen die Veranlassung zur ersten Mischna-Sammlung gegeben, trotz der Untersuchungen vorliegender Schrift noch nicht wankend geworden. —־