Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 20 (1893)
- Issue
- 1 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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77 Becensionen* Rosenthal, J>r. Ludwig A. Ueber den Zusammenbang: der Mischna. Ein Beitrag zu ihrer Entstehungsgeschichte. Erster Teil: Die Sadduzäer und die Mischnasammlungen vor dem Auftreten HillePs. Zweiter Theil: Vom Streit der Bet Schammai und Bet Hillel bis zu Rabbi Akiba. Strassburg 1890 und 1892 (94 und 89 S.) Wir haben bereits über den ersten Theil dieser Schrift einige Bemerkungen im ״Magazin“ 1890 S. 322—324 veröffentlicht, die nur einzelne Punkte der Abhandlung betreffen. Wir wollen jetzt, da wir so ziemlich ein Ganzes vor uns haben, über das Gesammtresultat sprechen. — Die Unregelmässigkeiten im Baue der Mischna, die nicht in einem Zufalle oder in der Unfähigkeit der Sammler ihre Erklärung finden können, führen den Verf. auf den Gedanken, dass die verschiedenen Theile der Mischna in verschiedenen Zeiten entstanden sind. Die erste Mischna-Sammlung war die gegensadduzäische Urmischna. Dazu gehören diejenigen Theile, die in zusammenhängenden Schilderungen Tempel Feierlichkeiten und andere öffentliche von dem Religionsgesetz vorgeschriebene Acte behandeln und den Zweck haben, gegen den Sadduzäismus die pharisäische Lehre zur Geltung zu bringen. — Schon hier muss der Verf. zugestehen, dass sich in Sota und Nasir mit obigen Mischnatheilen gleichartige Beschreibungen zeigen, die nicht mit dem Sadduzäismus in Verbindung gebracht werden können Wir fügen hinzu, dass auch die Bezeichnung der Bikkurimfeier-Schilderung als eine gegeneadduzäische Mischna uns durch die kühne Hypothese (I, 46) die אנשי הר צבועים (Bikk. I, 3) seien vielleicht die צבועים von Sota 22 a, welche das Wochenfest nicht nach der Ueberlieferung feiern wollten, nicht wahrscheinlich gemacht wird. Der ersten gegensadducäisohen Mischna reihten sich in einer anderen Mischnaschicht Lehren an, welche die schriftliche Lehre in ihrem Verhältnis zur mündlichen, den Gegenstand des Kampfes zwischen Sadduzäern und Pharisäern, zum Gegenstände hatten, wie verschiedene Theile von Sanhedrin, Mukkot, Abot (bis Simon b. Schetach) und Jaddajim (Ende.) — Diesen ältesten Bestandteilen der Mischna hat das folgende Zeitalter andere Theile entweder angehängt oder als Einleitung voraus• gesetzt. So ist ein grosser Theil vom Tr. Berachoth als Einleitung dem Theile über Pesachim, der ursprünglich mit תמיד נשחט begonnen, vorausgeschickt worden. Die Ordnung, in der Alles das, ״was zur halachischen Begründung des phärisäischen Gedankens dient‘*, aufeinanderfolgt, ist nach dem Verf. ״die Schriftordnung.“ Da nun die nächste Schriftstelle nach dem Passah-Gesetze (Exod. 12), die einen Gegenstand des Streites bildete, Exod. 25 war, aus welcher Schriftstelle die Pharisäer die von den Sadducäern bestrittenen Lehren über die Schekalim ableiteten, so musste dem Theile Pesachim